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Abitur nachholen
Das Abitur lässt sich in jedem Alter nachholen, ganz gleich ob der Schulabschluss zehn oder dreißig Jahre zurückliegt. Der zweite Bildungsweg kennt vier Wege zur allgemeinen Hochschulreife. Welcher davon passt, hängt vor allem davon ab, wie viel Zeit Sie haben, ob Sie weiter arbeiten möchten und wie Sie am liebsten lernen.

Kann man das Abitur überhaupt noch nachholen?
Ja, und zwar ohne Altersgrenze nach oben. Wer mit Anfang zwanzig merkt, dass ohne Abitur einige Türen verschlossen bleiben, kann genauso anfangen wie jemand, der mit Mitte vierzig noch studieren möchte. Der Gesetzgeber hat dafür den sogenannten zweiten Bildungsweg geschaffen, also Bildungsangebote für Erwachsene, die ihren Schulabschluss nachträglich erwerben. Das Abitur, das Sie dort machen, ist exakt dasselbe wie das aus dem normalen Gymnasium. Auf dem Zeugnis steht später nicht, auf welchem Weg Sie es erreicht haben.
Wichtig ist die Unterscheidung zwischen zwei Abschlüssen, weil sie über Aufwand und Möglichkeiten entscheidet. Die allgemeine Hochschulreife, also das vollwertige Abitur, berechtigt zu jedem Studiengang an jeder Universität in Deutschland. Die Fachhochschulreife ist schneller zu erreichen und genügt für ein Studium an Fachhochschulen, das sind heute die meisten praxisnahen Studiengänge. Mehr zur Abgrenzung weiter unten.
Die vier Wege zum Abitur im Überblick
Es gibt vier anerkannte Wege, das Abitur als Erwachsener nachzuholen. Drei davon sind staatlich und meist kostenfrei, einer läuft über private Fernschulen. Ein fünfter, halboffizieller Weg ist die Kombination: erst eine Fernschule oder ein Abendgymnasium zur Vorbereitung, dann die Prüfung als Externer.
- Abendgymnasium - berufsbegleitender Unterricht am Abend, in der Regel schulgeldfrei. Gedacht für Menschen, die weiter arbeiten und trotzdem in einer festen Klasse mit Lehrern lernen möchten.
- Kolleg - der Vollzeit-Weg. Unterricht tagsüber wie an einer Schule, meist ebenfalls schulgeldfrei. Für alle, die sich ganz aufs Lernen konzentrieren können.
- Fernabitur - ortsunabhängig und im eigenen Tempo über eine Fernschule. Sie lernen zu Hause, bekommen Material und Betreuung, zahlen dafür Gebühren.
- Nichtschülerprüfung - auch Externenprüfung genannt. Sie melden sich direkt bei der Schulbehörde zur Prüfung an und bereiten sich selbst vor, ohne Schulbesuch.
Wer noch sehr jung ist und mit der Schule eigentlich noch nicht abgeschlossen hat, sollte vorher prüfen, ob nicht die normale gymnasiale Oberstufe der einfachere Weg ist. Der zweite Bildungsweg setzt fast überall ein Mindestalter und eine gewisse Berufserfahrung oder Pause voraus.
Die vier Wege im direkten Vergleich
Die folgende Tabelle fasst zusammen, worin sich die Wege unterscheiden. Die Werte sind Richtwerte, weil Bildung in Deutschland Ländersache ist und sich Details von Bundesland zu Bundesland unterscheiden.
| Weg | Form | Dauer | Kosten | Passt für |
|---|---|---|---|---|
| Abendgymnasium | Präsenz, abends, berufsbegleitend | ca. 3 Jahre | meist schulgeldfrei | Berufstätige mit festem Wohnort |
| Kolleg | Präsenz, Vollzeit am Tag | ca. 3 Jahre | meist schulgeldfrei | Menschen ohne parallele Vollzeitarbeit |
| Fernabitur | Fernunterricht, ortsunabhängig | ca. 30-42 Monate | ca. 2.400-4.800 € gesamt | flexibel Lernende neben Beruf und Familie |
| Nichtschülerprüfung | Selbststudium, nur Prüfung | individuell | geringe Prüfungsgebühren | Disziplinierte Selbstlerner mit Vorwissen |
Auffällig ist die Spannweite bei den Kosten. Die staatlichen Präsenzwege kosten kein Schulgeld, dafür Ihre Zeit und Anwesenheit. Das Fernabitur kostet Geld, gibt Ihnen aber maximale Freiheit bei Ort und Zeit. Die reine Externenprüfung ist am günstigsten, verlangt aber, dass Sie sich den kompletten Oberstufenstoff allein erarbeiten - das schaffen erfahrungsgemäß die wenigsten ohne Vorbereitungskurs.
Welcher Weg passt zu mir?
Statt einer Pauschalempfehlung hilft es, ehrlich ein paar Fragen zu beantworten.
Müssen Sie nebenbei Geld verdienen?
Wenn Sie Vollzeit arbeiten und das auch müssen, fallen das Kolleg und meist auch die klassische Vorbereitung in Vollzeit weg. Dann bleiben das Abendgymnasium mit Abendunterricht oder das Fernabitur, das Sie zeitlich frei einteilen. Können Sie sich dagegen drei Jahre ohne Erwerbsarbeit leisten, etwa mit Schüler-BAföG, ist das Kolleg oft der schnellste und günstigste Weg.
Wie viel Struktur brauchen Sie?
Manche Menschen lernen nur mit festem Stundenplan, Klasse und Lehrern, die nachhaken. Für sie ist Präsenzunterricht am Abendgymnasium oder Kolleg richtig. Wer sich gut selbst organisiert, kommt mit dem Fernabitur weiter, weil es kaum Vorgaben macht. Die Externenprüfung ohne jede Begleitung ist nur etwas für sehr selbstständige Lerner, idealerweise mit Vorkenntnissen.
Wohnen Sie in der Nähe eines Anbieters?
Abendgymnasien und Kollegs gibt es vor allem in größeren Städten. Auf dem Land bedeutet das lange Anfahrten an mehreren Abenden pro Woche, was über drei Jahre zermürbend sein kann. Das Fernabitur löst dieses Problem, weil der Wohnort keine Rolle spielt. Eine Übersicht der Standorte finden Sie im Städte-Verzeichnis.
Voraussetzungen: was Sie mitbringen müssen
Für Abendgymnasium und Kolleg gelten in den meisten Bundesländern ähnliche Bedingungen: ein mittlerer Schulabschluss, ein Mindestalter von oft 18 oder 19 Jahren und eine abgeschlossene Berufsausbildung oder eine mehrjährige Berufstätigkeit, wozu auch das Führen eines Haushalts oder Arbeitslosigkeit zählen kann. Wer das allgemeine Abitur anstrebt, muss in aller Regel eine zweite Fremdsprache nachweisen oder im Laufe der Ausbildung nachholen. Für die Fachhochschulreife reicht meist eine Fremdsprache.
Fernschulen sind bei den Zugangsbedingungen oft großzügiger und nehmen Teilnehmer teils auch ohne mittleren Abschluss auf, weil sie eigene Vorkurse anbieten. Haben Sie noch gar keinen Schulabschluss, lohnt der Blick auf Abitur ohne Realschulabschluss. Die genauen Regeln Ihres Bundeslandes stehen unter Voraussetzungen, weil sie sich tatsächlich von Land zu Land unterscheiden.
Wie lange dauert es wirklich?
Der ehrliche Rahmen liegt bei rund drei Jahren für das volle Abitur, wenn Sie ohne nennenswerte Vorleistungen starten. Das gilt für alle Wege ähnlich, denn der Stoff der gymnasialen Oberstufe lässt sich kaum schneller bewältigen. Das Fernabitur reicht je nach Anbieter und Lerntempo von etwa 30 bis 42 Monaten, weil Sie es strecken oder beschleunigen können.
Wer mit dem Versprechen wirbt, das Abitur sei in einem Jahr zu schaffen, meint fast immer einen Sonderfall: entweder Sie bringen bereits Oberstufenleistungen mit, oder es geht in Wahrheit um die schneller erreichbare Fachhochschulreife. Aus dem Stand das komplette Abitur in zwölf Monaten zu machen, ist unrealistisch. Eine realistische Zeitplanung finden Sie unter Dauer.
Was kostet das Abitur nachholen?
Die staatlichen Wege, also Abendgymnasium und Kolleg, sind in der Regel schulgeldfrei. Es bleiben Kosten für Bücher, Fahrten und Material, die überschaubar sind. Das Fernabitur kostet je nach Anbieter und Laufzeit ungefähr 2.400 bis 4.800 Euro insgesamt, üblicherweise in Monatsraten. Dafür bekommen Sie Lernmaterial, Korrekturen und Betreuung. Seriöse Fernschulen sind von der Staatlichen Zentralstelle für Fernunterricht (ZFU) zugelassen und bieten ein vierwöchiges Probestudium, in dem Sie kostenlos kündigen können.
Ein Wort zu einem hartnäckigen Mythos: Ein vollwertiges, kostenloses Online-Abitur eines privaten Anbieters gibt es nicht. Kostenfrei sind die staatlichen Wege und die reine Externenprüfung. Private Online-Angebote kosten Geld, weil dahinter Betreuung und zugelassenes Material stehen. Eine genaue Aufschlüsselung steht unter Kosten.
Förderung: wer das bezahlt
Niemand muss die drei Jahre allein stemmen. Beim zweiten Bildungsweg ist das Schüler-BAföG häufig elternunabhängig, das heißt, das Einkommen Ihrer Eltern spielt keine Rolle. Für berufsbegleitende Wege kommt unter Umständen das Aufstiegs-BAföG infrage. Wer arbeitslos gemeldet ist, sollte mit der Agentur für Arbeit über einen Bildungsgutschein sprechen. Als Ergänzung gibt es den zinsgünstigen Bildungskredit. Welche Förderung zu welchem Weg passt, lesen Sie unter BAföG und Förderung.
Drei anerkannte Fernschulen im Überblick
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Fernakademie für Erwachsenenbildung
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Abitur oder Fachhochschulreife: was reicht für Ihr Ziel?
Nicht jeder braucht das volle Abitur. Wenn Sie ein konkretes Berufsziel haben und ein praxisnahes Studium an einer Fachhochschule genügt, ist die Fachhochschulreife der schnellere Weg. Sie ist je nach Vorbildung in einem bis zwei Jahren erreichbar und öffnet die große Mehrheit der Bachelorstudiengänge. Was damit alles geht, zeigt Studieren mit Fachabitur.
Das allgemeine Abitur dauert länger, ist dafür aber der Generalschlüssel: Damit studieren Sie alles an jeder Universität, von Medizin bis Lehramt. Die umgangssprachliche Bezeichnung Fachabitur ist übrigens irreführend, gemeint ist meist die Fachhochschulreife, nicht ein abgespecktes Abitur. Wer unsicher ist, sollte vom Wunschstudium her denken und nicht vom Abschluss.
Wichtig ist auch der Fachbegriff dahinter: Das Abitur heißt offiziell allgemeine Hochschulreife und berechtigt zum Studium aller Fächer an Universitäten und Fachhochschulen. Davon abzugrenzen sind die fachgebundene Hochschulreife, die nur bestimmte Studiengänge öffnet, und die Fachhochschulreife für das Studium an Fachhochschulen. Wer bereits die Fachhochschulreife besitzt und auf die volle Hochschulreife aufstocken will, findet den verkürzten Weg unter Abitur nachholen mit Fachhochschulreife.
Erste Schritte: so fangen Sie an
Verschaffen Sie sich zuerst Klarheit über Ihr Ziel. Wollen Sie an einer Uni studieren, brauchen Sie das volle Abitur, sonst genügt vielleicht die Fachhochschulreife. Prüfen Sie dann, welche Wege überhaupt zu Ihrer Lebenssituation passen, also ob Sie nebenbei arbeiten müssen und wie viel Struktur Sie brauchen. Erkundigen Sie sich nach Anbietern in Ihrer Nähe und vergleichen Sie diese mit dem Fernabitur. Klären Sie früh die Finanzierung, denn ein BAföG-Antrag braucht Vorlauf. Für die Externenprüfung gilt: Die Anmeldung bei der Schulbehörde erfolgt oft schon rund ein halbes Jahr vor dem Prüfungstermin.
Einen kompakten Einstieg in das gesamte Thema bietet die Übersicht zum zweiten Bildungsweg. Weiterführende Adressen, Beratungsstellen und Checklisten finden Sie unter Tipps und Links. Wenn klar ist, welcher Weg passt, lohnt der Blick ins Städte-Verzeichnis, um die nächstgelegene Einrichtung zu finden.
Häufige Fragen
Ist das nachgeholte Abitur gleichwertig?
Ja. Egal über welchen der vier Wege Sie es erreichen, das Abitur ist dasselbe und berechtigt zum Studium aller Fächer. Aus dem Zeugnis geht der Weg nicht hervor.
Geht das Abitur auch komplett online?
Über eine Fernschule lernen Sie nahezu vollständig von zu Hause. Die staatliche Abschlussprüfung selbst legen Sie aber in Präsenz ab, das ist überall so.
Bin ich mit über 40 zu alt?
Nein. Eine Altersgrenze nach oben gibt es nicht. Gerade an Kollegs und Abendgymnasien ist die Altersspanne breit, und viele beginnen erst mit Mitte dreißig oder später.