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Abendgymnasium: Abitur berufsbegleitend nachholen

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Das Abendgymnasium ist der klassische Weg, um das Abitur berufsbegleitend nachzuholen, ohne den Job aufzugeben. Der Unterricht liegt am Abend, oft an drei bis vier Tagen pro Woche. Staatliche Abendgymnasien kosten kein Schulgeld, verlangen aber etwas, das man nicht unterschätzen sollte: feste Präsenz vor Ort über rund drei Jahre.

Lernen für das Abitur - Abendgymnasium: Abitur berufsbegleitend nachholen

Was ein Abendgymnasium ist - und was nicht

Ein Abendgymnasium ist eine Schule des zweiten Bildungswegs für Erwachsene, die nach Ausbildung oder Berufsjahren das Abitur nachholen wollen. Sie sitzen dort nicht mit Sechzehnjährigen im Klassenraum, sondern mit Leuten, die wie Sie tagsüber arbeiten. Der Stoff ist derselbe wie am Tagesgymnasium, das Tempo ist auf Berufstätige zugeschnitten, der Ton ist erwachsen.

Wichtig zur Abgrenzung: Ein Abendgymnasium ist kein Fernstudium und keine reine Online-Schule. Sie müssen regelmäßig an einem festen Ort erscheinen. Wer das nicht kann oder will - etwa wegen Schichtdienst, häufiger Dienstreisen oder fehlender Schule in der Nähe -, ist mit dem Fernabitur meist besser bedient. Dazu unten mehr.

Der Begriff selbst führt manchmal in die Irre. "Abend" meint nicht eine lockere Volkshochschule am Feierabend, sondern eine vollwertige gymnasiale Oberstufe, deren Unterricht eben am Abend stattfindet. Die Prüfungen sind dieselben wie am Tagesgymnasium, das Zeugnis ist identisch und wird bundesweit anerkannt. Niemand sieht Ihrem Abitur später an, ob Sie es mit 18 am Vormittag oder mit 35 nach Feierabend erworben haben.

So läuft die Oberstufe ab

Die Schulzeit gliedert sich in zwei Phasen. Die Einführungsphase dauert in der Regel ein Jahr und bringt alle auf einen gemeinsamen Stand, weil die Vorkenntnisse stark schwanken. Wer den Schulstoff lange nicht angefasst hat, schließt hier Lücken in Mathematik, Deutsch und den Fremdsprachen.

Danach folgt die zweijährige Qualifikationsphase. Hier zählen die Noten bereits für das Abiturzeugnis. Sie belegen Kurse in den Pflichtfächern und wählen Schwerpunkte, am Ende stehen die schriftlichen und mündlichen Abiturprüfungen. Wer alles besteht, erhält die allgemeine Hochschulreife - also das vollwertige Abitur, das zu jedem Studiengang an einer Universität berechtigt.

Manche Bundesländer schalten vor die Einführungsphase noch einen Vorkurs, wenn der mittlere Abschluss fehlt oder zu lange zurückliegt. Dieser Vorkurs zählt noch nicht zur eigentlichen Oberstufe, kostet aber zusätzlich Zeit. Ein typischer Verlauf sieht also so aus: optionaler Vorkurs, dann ein Jahr Einführungsphase, dann zwei Jahre Qualifikationsphase mit den Abiturprüfungen am Ende. Wer mit gutem mittlerem Abschluss und frischen Vorkenntnissen startet, überspringt den Vorkurs und teils sogar die Einführungsphase und beginnt direkt in der Qualifikationsphase.

Fachhochschulreife als Zwischenziel

In vielen Ländern können Sie das Abendgymnasium nach erfolgreicher Einführungs- und teilweiser Qualifikationsphase mit der schulischen Fachhochschulreife verlassen, falls das volle Abitur doch zu viel wird oder sich Ihre Pläne ändern. Damit können Sie an einer Fachhochschule studieren. Das ist kein Scheitern, sondern eine reguläre Ausstiegsstufe - und für viele der praktischere Abschluss.

Voraussetzungen für die Aufnahme

Die genauen Regeln setzt jedes Bundesland selbst, der Rahmen ähnelt sich aber. Üblich sind drei Dinge in Kombination.

VoraussetzungWas üblich verlangt wird
SchulabschlussMittlerer Schulabschluss (Realschulabschluss); ohne ihn teils Aufnahme mit Hauptschulabschluss plus abgeschlossener Berufsausbildung
BerufserfahrungAbgeschlossene Berufsausbildung oder mehrere Jahre Berufstätigkeit; teils zählt auch das Führen eines Haushalts oder Arbeitslosigkeit
MindestalterMeist 18 oder 19 Jahre bei Eintritt in die Qualifikationsphase
Berufstätigkeit während der SchulzeitIn einigen Ländern müssen Sie zumindest in der Einführungsphase berufstätig sein oder einen Haushalt führen

Für das volle Abitur brauchen Sie zwei Fremdsprachen. Englisch bringen die meisten aus der Schulzeit mit, die zweite Fremdsprache - oft Französisch, Spanisch oder Latein - können Sie am Abendgymnasium von Grund auf belegen. Das sollten Sie früh einplanen, weil es Wochenstunden bindet. Wer noch keinen mittleren Abschluss hat, findet hier ebenfalls Wege, oft über die Kombination aus Hauptschulabschluss und Ausbildung. Alle Details je Land sammelt die Seite Voraussetzungen, die auch das Mindestalter und die geforderte Berufserfahrung pro Bundesland aufschlüsselt.

Wie viel Zeit Sie einplanen müssen

Die Regeldauer liegt bei etwa drei Jahren. Das klingt überschaubar, heißt aber konkret: drei bis vier Abende pro Woche Unterricht, dazu Hausaufgaben, Klausurvorbereitung und in der Qualifikationsphase regelmäßige Arbeiten. Ein Abend ist schnell mal von 18 bis 22 Uhr belegt. Nach einem vollen Arbeitstag ist das fordernd, und genau daran scheitern manche - nicht am Stoff, sondern an der Ausdauer über drei Jahre.

Schneller geht es nur mit echten Vorleistungen. Wer schon Teile der Oberstufe absolviert hat oder bestimmte Kurse anerkennen lassen kann, verkürzt unter Umständen. Das oft beworbene "Abitur in einem Jahr" ist ohne solche Vorkenntnisse unrealistisch. Eine ehrliche Einordnung der Zeitspannen finden Sie unter Dauer.

Kosten und finanzielle Förderung

Staatliche Abendgymnasien erheben kein Schulgeld. Sie zahlen lediglich für Lernmittel - Bücher, Kopien, gelegentlich Prüfungsgebühren. Das ist der große Vorteil gegenüber privaten Anbietern. Anders sieht es bei den wenigen privaten Abendgymnasien aus, die durchaus Gebühren verlangen können.

Wer während der Schulzeit weniger oder gar nicht arbeitet, sollte die Förderwege prüfen:

Ein vollständig kostenloses Online-Abitur eines privaten Anbieters gibt es nicht. Kostenfrei sind die staatlichen Wege - und das Abendgymnasium gehört dazu. Was es konkret kostet und welche Förderung wann greift, steht unter Kosten, die Förderwege im Detail behandelt eine eigene Übersicht zu BAföG und Förderung.

Abendgymnasium, Kolleg oder Fernabitur?

Die drei großen Wege zum nachgeholten Abitur unterscheiden sich vor allem in der Frage, wie viel Präsenz und wie viel Beruf nebenher möglich ist.

WegLernformBeruf nebenherSchulgeldDauer
AbendgymnasiumAbendunterricht in Präsenz, feste TermineJa, tagsüber arbeiten ist der NormalfallMeist keins (staatlich)ca. 3 Jahre
KollegVollzeitunterricht tagsüberNein, eher nichtMeist keins (staatlich)ca. 3 Jahre
FernabiturSelbststudium, ortsunabhängig, onlineJa, völlig flexibelca. 2.400-4.800 € gesamtca. 30-42 Monate

Das Kolleg ist für Sie interessant, wenn Sie sich für ein paar Jahre ganz aufs Lernen konzentrieren können und keine Vollzeitstelle halten müssen - der Unterricht läuft tagsüber. Das Fernabitur ist die Wahl, wenn Sie örtlich gebunden sind, im Schichtdienst arbeiten oder kein Abendgymnasium in erreichbarer Nähe haben. Es kostet zwar Schulgeld, ist dafür aber zeitlich frei einteilbar und über die ZFU staatlich zugelassen, meist mit vier Wochen Probestudium zum Hineinschnuppern. Eine vierte Variante ganz ohne Schulbesuch ist die Externenprüfung, bei der Sie sich komplett selbst vorbereiten und nur zur Prüfung antreten - anspruchsvoll, aber für sehr disziplinierte Selbstlerner eine Option.

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Vor- und Nachteile im Klartext

Für das Abendgymnasium spricht der feste Rahmen. Lehrkräfte erklären den Stoff, es gibt einen Stundenplan, der Druck der Gruppe hält viele bei der Stange, und Fragen lassen sich direkt klären. Wer allein zu Hause schnell die Motivation verliert, profitiert von genau dieser Struktur. Dazu kommt: kein Schulgeld an staatlichen Schulen. Auch die Mitschüler sind ein Faktor, der oft unterschätzt wird. Sie alle bringen Berufserfahrung mit, viele haben Familie, niemand muss sich für seinen Weg rechtfertigen. Lerngruppen entstehen fast von selbst, und der Austausch über die gemeinsame Doppelbelastung trägt erfahrungsgemäß durch die zähen Phasen.

Gegen das Abendgymnasium spricht die Gebundenheit. Sie müssen die Abende verlässlich freihalten, über drei Jahre. Fällt ein Schuljahr mit einer beruflich anstrengenden Phase zusammen, wird es eng. Und es gibt schlicht nicht überall eines - in ländlichen Regionen ist die nächste Schule oft nur in der größeren Nachbarstadt, was den abendlichen Weg zusätzlich verlängert.

Wie Sie einen Platz finden

Abendgymnasien sind über das Land verteilt, aber nicht flächendeckend. Suchen Sie zuerst nach einer Einrichtung in Ihrer Stadt oder der nächstgrößeren. Die meisten Schulen nehmen zum Halbjahr oder zum Schuljahresbeginn auf und bieten Informationsabende an, bei denen Sie den Ablauf und die Aufnahmebedingungen direkt klären können. Bringen Sie zur Anmeldung Ihre Zeugnisse und Nachweise über Ausbildung oder Berufstätigkeit mit.

Welche Städte ein Abendgymnasium haben und wo das ortsunabhängige Fernabitur die sinnvollere Alternative ist, zeigt das Städte-Verzeichnis. Einen Gesamtüberblick über alle Wege gibt die Startseite Abitur nachholen, weiterführende Hinweise und Beratungsstellen finden Sie zudem in unserer Sammlung mit Tipps und Links.

Häufige Fragen

Kann ich neben dem Abendgymnasium voll arbeiten?

Ja, das ist der Normalfall und genau dafür ist diese Schulform gedacht. Der Unterricht liegt am Abend. Anstrengend wird die Kombination trotzdem, vor allem in den Prüfungsphasen. Planen Sie ein, dass an Unterrichtstagen kaum noch Zeit für anderes bleibt.

Brauche ich wirklich eine zweite Fremdsprache?

Für das volle Abitur in der Regel ja. Sie können die zweite Fremdsprache am Abendgymnasium aber von Anfang an lernen, Vorkenntnisse sind nicht nötig. Für die schulische Fachhochschulreife entfällt diese Anforderung meist.

Was, wenn es kein Abendgymnasium in meiner Nähe gibt?

Dann ist das Fernabitur die naheliegende Lösung, weil es ortsunabhängig läuft. Es kostet Schulgeld, lässt sich aber zeitlich frei einteilen und kommt mit Schichtdienst oder Pendelei besser zurecht als feste Abendtermine.