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Kolleg: Abitur in Vollzeit nachholen
Das Kolleg ist der Vollzeitweg zum Abitur für Erwachsene. Sie gehen tagsüber zur Schule, lernen konzentriert über etwa drei Jahre und zahlen an staatlichen Einrichtungen in der Regel kein Schulgeld. Der Haken liegt nicht beim Unterricht, sondern bei der Frage, wovon Sie in dieser Zeit leben.

Was ein Kolleg ist - und was nicht
Ein Kolleg, oft auch Institut zur Erlangung der Hochschulreife genannt, ist eine staatliche oder staatlich anerkannte Schule des zweiten Bildungswegs. Es richtet sich an Menschen, die ihre erste Schulzeit hinter sich haben, eine Ausbildung gemacht oder gearbeitet haben und jetzt das Abitur nachholen wollen. Am Ende steht die allgemeine Hochschulreife, also dasselbe Abitur, das Sie auch an einem regulären Gymnasium machen würden. Damit können Sie jedes Fach an jeder Universität studieren.
Wichtig ist der Unterschied zu privaten Angeboten. Ein Kolleg ist keine Fernschule und kein Online-Kurs. Der Unterricht findet in Präsenz statt, in festen Klassen, nach einem festen Stundenplan. Wer ortsunabhängig oder im eigenen Tempo lernen will, ist beim Fernabitur besser aufgehoben. Das Kolleg lebt vom Gegenteil: feste Struktur, fester Ort, fester Rhythmus.
Kolleg oder Abendgymnasium - der eine entscheidende Unterschied
Beide Wege führen zum selben Abschluss und dauern beide rund drei Jahre. Der Unterschied ist der Zeitpunkt des Unterrichts und damit Ihr ganzer Alltag.
Am Kolleg lernen Sie in Vollzeit, meist vormittags und teils in den frühen Nachmittag hinein. Das bedeutet im Klartext: Eine Vollzeitstelle parallel ist nicht machbar. Das Abendgymnasium ist genau dafür gebaut, dass Sie tagsüber arbeiten und abends die Schulbank drücken. Wer also seinen Job behalten muss oder will, landet beim Abendgymnasium. Wer sich für ein paar Jahre ganz auf den Abschluss konzentrieren kann oder will, ist am Kolleg richtig.
| Merkmal | Kolleg | Abendgymnasium |
|---|---|---|
| Unterrichtszeit | tagsüber, Vollzeit | abends, berufsbegleitend |
| Parallel arbeiten | kaum möglich | vorgesehen (Vollzeitjob) |
| Dauer (Regelfall) | ca. 3 Jahre | ca. 3 bis 3,5 Jahre |
| Schulgeld (staatlich) | in der Regel keins | in der Regel keins |
| Abschluss | allgemeine Hochschulreife | allgemeine Hochschulreife |
| Lebensunterhalt | Schüler-BAföG, Erspartes, Teilzeitjob | aus dem laufenden Gehalt |
Eine knappe Gegenüberstellung aller Wege finden Sie auch in der Übersicht Abitur nachholen.
Wie der Unterricht am Kolleg abläuft
Die meisten Kollegs gliedern die drei Jahre in einen Vorkurs oder eine Einführungsphase und die anschließende Qualifikationsphase, die mit den Abiturprüfungen endet. Der Vorkurs ist dazu da, alte Lücken zu schließen, bevor es richtig losgeht - vor allem in Deutsch, Mathematik und den Fremdsprachen. Wer noch frisch im Stoff ist oder gute Vorkenntnisse mitbringt, kann diesen Teil je nach Land überspringen und verkürzt damit die Gesamtdauer.
In der Qualifikationsphase wählen Sie wie an jedem Gymnasium Leistungs- und Grundkurse beziehungsweise Schwerpunktfächer. Die Klassen am Kolleg sind oft kleiner und altersgemischt. Das Tempo ist höher als am normalen Gymnasium, weil derselbe Stoff in weniger Jahren behandelt wird. Genau das ist der Vorteil für motivierte Erwachsene und zugleich der Grund, warum Vollzeit hier kein leeres Wort ist - neben dem Unterricht fällt einiges an Vor- und Nachbereitung an.
Voraussetzungen - und warum sie je nach Land schwanken
Die Aufnahmebedingungen legt jedes Bundesland selbst fest, deshalb lohnt der Blick auf die konkrete Schule. In den Grundzügen ähneln sie sich aber.
Was fast überall verlangt wird
Üblich sind ein mittlerer Schulabschluss (Realschulabschluss oder gleichwertig), ein Mindestalter von meist 18 oder 19 Jahren und der Nachweis, dass Sie nach der ersten Schulzeit etwas anderes gemacht haben - also eine abgeschlossene Berufsausbildung oder mehrere Jahre Berufstätigkeit. Auch die Führung eines Haushalts oder Zeiten der Arbeitslosigkeit zählen in vielen Ländern mit. Diese Hürde sorgt dafür, dass das Kolleg wirklich der zweite Bildungsweg bleibt und nicht zur Abkürzung direkt nach der Schule wird.
Der Punkt, an dem viele stolpern: die zweite Fremdsprache
Für die allgemeine Hochschulreife brauchen Sie eine zweite Fremdsprache, in der Regel über mehrere Jahre. Wer in der Schule nur Englisch hatte, holt diese zweite Sprache am Kolleg nach - das ist eingeplant und kein Hindernis, kostet aber Zeit und Mühe. Reicht das nicht oder wollen Sie diesen Aufwand sparen, ist die Fachhochschulreife eine Alternative, für die keine zweite Fremdsprache nötig ist.
Ohne mittleren Abschluss
Fehlt Ihnen der mittlere Abschluss, ist der Weg am staatlichen Kolleg nicht versperrt, aber umständlicher - oft müssen Sie ihn zuerst nachholen oder über einen Vorkurs nachweisen. Fernschulen sind hier flexibler und nehmen häufig auch ohne mittleren Abschluss auf. Mehr dazu unter Abitur ohne Realschulabschluss und auf der Seite Voraussetzungen.
Dauer: meist drei Jahre, manchmal schneller
Die Regeldauer am Kolleg liegt bei etwa drei Jahren bis zur Abiturprüfung. Schneller geht es nur mit echten Vorleistungen - etwa wenn Sie den Vorkurs überspringen oder bereits Teile der gymnasialen Oberstufe absolviert haben. Das oft gehörte Versprechen vom Abitur in einem Jahr ist für den Vollabschluss ohne Vorkenntnisse unrealistisch. Realistisch in kürzerer Zeit ist das Fachabitur, das sich in ein bis zwei Jahren erreichen lässt. Wie sich die Zeiten der einzelnen Wege vergleichen, steht auf der Seite Dauer.
Kosten: der Unterricht ist gratis, das Leben nicht
Staatliche und staatlich anerkannte Kollegs verlangen kein Schulgeld. Sie zahlen also nicht für den Unterricht selbst. Anfallen können kleinere Beträge für Lernmittel, Bücher, Kopien oder Exkursionen, das hält sich aber in Grenzen.
Die eigentliche Kostenfrage ist eine andere: Drei Jahre Vollzeit bedeuten drei Jahre weitgehend ohne reguläres Einkommen. Genau das ist der Kern jeder Kolleg-Entscheidung. Wie die Wege preislich insgesamt liegen, zeigt die Seite Kosten.
Wovon leben während der Vollzeit?
Weil ein Vollzeitjob neben dem Kolleg ausscheidet, ist die Finanzierung des Lebensunterhalts der entscheidende Planungspunkt. Mehrere Bausteine kommen in Betracht, oft in Kombination.
Am wichtigsten ist das Schüler-BAföG. Beim zweiten Bildungsweg wird es für Kolleg und Abendgymnasium häufig elternunabhängig gewährt - es kommt also auf Ihr eigenes Einkommen und Vermögen an, nicht auf das der Eltern. Am Kolleg ist diese Förderung in der Regel ein Zuschuss, den Sie nicht zurückzahlen müssen. Das macht den Vollzeitweg für viele überhaupt erst möglich. Den Antrag stellen Sie beim zuständigen Amt für Ausbildungsförderung, am besten frühzeitig vor Beginn.
Daneben gibt es einen Nebenjob in Teilzeit, der mit dem Stundenplan vereinbar ist, sowie Erspartes. Manche überbrücken die Zeit auch mit Unterstützung der Familie oder einem zinsgünstigen Bildungskredit. Welche Förderung zu Ihrer Situation passt und worauf bei den Anträgen zu achten ist, steht ausführlich unter BAföG & Förderung. Einen echten Bildungsgutschein der Agentur für Arbeit gibt es für das Kolleg dagegen meist nicht - der ist eher auf berufliche Weiterbildung zugeschnitten.
Für wen das Kolleg passt - und für wen nicht
Das Kolleg lohnt sich, wenn Sie sich für eine begrenzte Zeit voll auf den Abschluss einlassen können und wollen. Die feste Struktur, der direkte Kontakt zu Lehrkräften und Mitschülern und das zügige Tempo helfen vielen, die allein zu Hause schwer in Gang kommen. Wer das Lernen in der Gruppe schätzt und einen klaren Schnitt zwischen altem Berufsleben und Studium sucht, ist hier gut aufgehoben.
Weniger passend ist der Weg, wenn Sie auf ein laufendes Einkommen angewiesen sind, familiär stark eingebunden sind oder weit entfernt vom nächsten Kolleg wohnen. Kollegs gibt es nicht in jeder Stadt, anders als Abendgymnasien sind sie eher in größeren Städten zu finden. In diesen Fällen sind das Abendgymnasium, das Fernabitur oder die Externenprüfung die realistischeren Optionen.
Wenn Vollzeit nicht passt: die Alternativen
Lässt sich Vollzeit nicht einrichten oder ist kein Kolleg in der Nähe, müssen Sie nicht auf das Abitur verzichten. Das Fernabitur einer Fernschule ist ortsunabhängig, läuft im eigenen Tempo neben Beruf und Familie und dauert je nach Vorkenntnissen etwa 30 bis 42 Monate. Die Kosten liegen meist zwischen rund 2.400 und 4.800 Euro insgesamt, dafür sind seriöse Anbieter von der Staatlichen Zentralstelle für Fernunterricht (ZFU) zugelassen und bieten ein vierwöchiges Probestudium. Ein vollwertiges kostenloses Online-Abitur eines privaten Anbieters gibt es nicht - kostenfrei sind nur die staatlichen Wege wie Kolleg und Abendgymnasium.
Drei anerkannte Fernschulen im Überblick
Kostenloses Infomaterial direkt beim Anbieter anfordern - vergleichen lohnt sich, die Kurse unterscheiden sich in Dauer, Service und Preis.

SGD Studiengemeinschaft Darmstadt
Staatlich zugelassen (ZFU) · seit 1948
- Abitur & Fachhochschulreife
- 4 Wochen kostenloses Probestudium
- Bundesweit anerkannt · seit 1948

Fernakademie für Erwachsenenbildung
Staatlich zugelassen (ZFU) · Klett-Gruppe
- Abitur & Fachhochschulreife
- 4 Wochen kostenloses Probestudium
- Klett-Gruppe · ZFU-zertifiziert

ILS Institut für Lernsysteme
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Wer ganz ohne Schulbesuch zum Ziel kommen will, kann das Abitur auch über die Nichtschüler- oder Externenprüfung ablegen. Dabei melden Sie sich rund ein halbes Jahr vorher bei der Schulbehörde des Landes an und bereiten sich selbst oder mit einer Fernschule vor. Das spart Zeit, verlangt aber viel Eigendisziplin.
So gehen Sie es an
Suchen Sie zuerst, welche Kollegs in erreichbarer Nähe liegen - viele Bundesländer haben nur eine Handvoll davon. Klären Sie dann mit der Schule die genauen Aufnahmebedingungen, vor allem zur zweiten Fremdsprache und zum Vorkurs. Parallel sollten Sie früh die Finanzierung angehen und den BAföG-Antrag vorbereiten, denn ohne geklärten Lebensunterhalt wird die Vollzeit zur Belastung. Eine geordnete Sammlung von Anlaufstellen und Adressen finden Sie unter Tipps & Links, eine Stadtübersicht unter Städte.