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Abitur nachholen: Tipps & Links
Das Abitur auf dem zweiten Bildungsweg ist kein Sprint. Wer vorher die richtigen Fragen klärt, spart sich später viel Frust - und manchmal auch ein verlorenes Halbjahr. Diese Seite bündelt das, was wirklich vor dem Start hilft: konkrete Schritte, die typischen Stolperfallen und die Stellen, bei denen Sie sich kostenlos beraten lassen können.

Erst das Ziel, dann der Weg
Bevor Sie irgendeine Schule oder Fernschule auswählen, sollten Sie wissen, wofür Sie den Abschluss eigentlich brauchen. Das klingt banal, ist aber der häufigste Anfängerfehler. Wer "irgendwie studieren" will, landet schnell beim teuersten oder langwierigsten Weg, obwohl ein kürzerer gereicht hätte.
Die entscheidende Verzweigung: volles Abitur oder Fachhochschulreife? Mit der allgemeinen Hochschulreife stehen Ihnen alle Studiengänge an Universitäten offen. Die Fachhochschulreife reicht für ein Studium an Fachhochschulen und ist meist in ein bis zwei Jahren erreichbar statt in drei. Wenn Ihr Wunschstudiengang auch an einer FH angeboten wird - und das gilt für viele praxisnahe Fächer -, dann ist das Fachabitur oft der schnellere und günstigere Umweg zum gleichen Ziel.
Erst wenn das Ziel steht, lohnt der Blick auf die Wege: Abendgymnasium für Berufstätige, das Kolleg in Vollzeit, das ortsunabhängige Fernabitur oder die Externenprüfung ganz ohne Schulbesuch. Welcher davon zu Ihnen passt, hängt vor allem von Ihrer Zeit und Ihrer Selbstdisziplin ab, nicht vom Prestige der Schule.
Schritt für Schritt zum richtigen Start
Ein bewährter Ablauf, der die meisten Sackgassen vermeidet:
- Ziel festlegen. Uni-Studium, FH-Studium, höhere Position im Job oder einfach der Abschluss für sich? Davon hängt alles Weitere ab.
- Voraussetzungen prüfen. Lesen Sie nach, was Ihr Bundesland verlangt - dazu gleich mehr. Klären Sie früh, ob Sie eine zweite Fremdsprache nachweisen müssen.
- Lebenssituation ehrlich einschätzen. Wie viele Stunden pro Woche bleiben neben Job, Familie und Pendeln wirklich übrig? Diese Zahl entscheidet zwischen Abendschule, Vollzeit-Kolleg und Fernunterricht.
- Finanzierung klären. Schauen Sie sich Förderwege an, bevor Sie sich anmelden - bei manchen Programmen muss der Antrag vor Beginn gestellt sein.
- Anbieter und Schulen vergleichen. Bei staatlichen Schulen zählt die Erreichbarkeit, bei Fernschulen Betreuung, Dauer und Preis.
- Testen, dann unterschreiben. Fernschulen bieten ein vierwöchiges kostenloses Probestudium. Nutzen Sie es wirklich, statt nur den Vertrag zu überfliegen.
Wenn Sie diese Reihenfolge einhalten, treffen Sie die teuren Entscheidungen erst, nachdem die billigen Fragen geklärt sind. Mehr zu den einzelnen Wegen finden Sie in der Übersicht zweiter Bildungsweg.
Voraussetzungen sind Ländersache
Es gibt kein bundesweit einheitliches Regelwerk. Schule ist Sache der Länder, und das merkt man bei den Zugangsbedingungen deutlich. Trotzdem gibt es Muster, die fast überall gelten: meist ein mittlerer Schulabschluss, dazu eine abgeschlossene Berufsausbildung oder mehrere Jahre Berufstätigkeit und ein Mindestalter von 18 oder 19 Jahren.
Der Punkt, den viele unterschätzen: Für das volle Abitur brauchen Sie in aller Regel eine zweite Fremdsprache. Wer in der Schule nur Englisch hatte, muss das nachholen - am Abendgymnasium oder Kolleg ist das in den Lehrplan eingebaut, bei der Externenprüfung müssen Sie sich selbst darum kümmern. Bei der Fachhochschulreife entfällt die zweite Fremdsprache oft, was sie zusätzlich attraktiv macht.
Wenn Ihnen der mittlere Abschluss fehlt, ist nicht alles verloren. Viele Fernschulen nehmen auch ohne mittleren Schulabschluss auf, wenn Sie eine Berufsausbildung oder ausreichend Berufserfahrung mitbringen. Wie das im Detail funktioniert, steht auf der Seite Abitur ohne Realschulabschluss. Die genauen Bedingungen für Ihren Wohnort prüfen Sie am besten unter Voraussetzungen.
Wo Sie sich kostenlos beraten lassen
Sie müssen das nicht allein durchdenken. Es gibt mehrere Stellen, die unabhängig und kostenfrei beraten - jede mit einem anderen Schwerpunkt.
Agentur für Arbeit
Die Berufsberatung hilft bei der Frage, welcher Abschluss zu Ihren beruflichen Zielen passt, und prüft, ob Sie Anspruch auf einen Bildungsgutschein haben. Gerade wenn Sie arbeitssuchend sind oder eine Umschulung anstreben, ist das der erste Anruf. Ein Termin ist meist innerhalb weniger Wochen zu bekommen.
Volkshochschulen
Viele VHS bieten selbst Kurse zur Vorbereitung auf die Nichtschülerprüfung oder zum Nachholen von Schulabschlüssen an und beraten dazu neutral. Wenn Sie wohnortnah und in kleinen Gruppen lernen möchten, lohnt der Blick ins Programm der örtlichen VHS.
Schulbehörde des Bundeslandes
Für die Nichtschüler-Abiturprüfung ist die Schulbehörde oder das Schulamt Ihres Landes zuständig. Dort erfahren Sie verbindlich, welche Fächer geprüft werden, welche Nachweise nötig sind und wann die Anmeldefristen liegen. Wichtig: Die Anmeldung muss in vielen Ländern rund ein halbes Jahr vor dem Prüfungstermin erfolgen. Wer das verschläft, verliert ein ganzes Jahr.
Die Schulen und Fernschulen selbst
Abendgymnasien und Kollegs haben fast immer eine Studienberatung, bei der Sie Ihre Unterlagen vorab prüfen lassen können. Die Fernschulen beraten telefonisch und schicken kostenloses Infomaterial. Nehmen Sie die Beratung ernst, aber behalten Sie im Hinterkopf, dass eine Fernschule auch ein Anbieter ist, der Sie als Kunden gewinnen möchte.
Fernschulen richtig vergleichen
Wenn der Fernweg für Sie infrage kommt, vergleichen Sie nicht nur den Preis. Ein günstiger Kurs nützt nichts, wenn die Betreuung schlecht ist und Sie nach einem Jahr aufgeben. Diese Punkte sollten Sie konkret abklopfen:
| Kriterium | Worauf achten |
|---|---|
| ZFU-Zulassung | Jeder seriöse Fernlehrgang ist von der Staatlichen Zentralstelle für Fernunterricht zugelassen. Keine Zulassung, kein Vertrag. |
| Probemonat | Vier Wochen kostenlos testen, dazu gesetzliches Kündigungsrecht. Schauen Sie sich in dieser Zeit echtes Lernmaterial an, nicht nur den Prospekt. |
| Gesamtkosten | Nicht die Monatsrate, sondern die Summe über die ganze Laufzeit vergleichen. Realistisch sind rund 2.400 bis 4.800 Euro fürs Fernabitur. |
| Regelstudienzeit | Üblich sind 30 bis 42 Monate. Klären Sie, ob Sie kostenlos verlängern können, wenn es im Leben mal eng wird. |
| Betreuung | Wie schnell werden Einsendeaufgaben korrigiert? Gibt es feste Ansprechpersonen, Online-Tutorien, ein erreichbares Lernportal? |
| Präsenzteile | Manche Kurse verlangen Seminare vor Ort. Prüfen Sie, ob und wo diese stattfinden und ob das für Sie machbar ist. |
| Prüfung | Das Fernabitur endet in der Regel mit einer staatlichen Nichtschülerprüfung. Klären Sie, wie die Schule Sie darauf vorbereitet. |
Fordern Sie ruhig bei zwei oder drei Anbietern Infomaterial an und legen Sie die Unterlagen nebeneinander. Erst im direkten Vergleich fallen die Unterschiede bei Betreuung und Laufzeit auf.
Drei anerkannte Fernschulen im Überblick
Kostenloses Infomaterial direkt beim Anbieter anfordern - vergleichen lohnt sich, die Kurse unterscheiden sich in Dauer, Service und Preis.

SGD Studiengemeinschaft Darmstadt
Staatlich zugelassen (ZFU) · seit 1948
- Abitur & Fachhochschulreife
- 4 Wochen kostenloses Probestudium
- Bundesweit anerkannt · seit 1948

Fernakademie für Erwachsenenbildung
Staatlich zugelassen (ZFU) · Klett-Gruppe
- Abitur & Fachhochschulreife
- 4 Wochen kostenloses Probestudium
- Klett-Gruppe · ZFU-zertifiziert

ILS Institut für Lernsysteme
Staatlich zugelassen (ZFU)
- Abitur & Fachhochschulreife
- 4 Wochen kostenloses Probestudium
- Deutschlands größte Fernschule
Die vorgestellten Fernschulen sind Werbepartner. Bei einer Bestellung von Infomaterial über einen dieser Links erhalten wir ggf. eine Provision - für Sie bleibt es kostenlos und unverbindlich.
Geld und Förderung früh klären
Die staatlichen Wege - Abendgymnasium und Kolleg - sind in den meisten Bundesländern schulgeldfrei. Geld kostet hier vor allem das Leben drumherum, etwa wenn Sie für ein Vollzeit-Kolleg Ihre Arbeitszeit reduzieren. Genau dafür gibt es Förderung.
Beim zweiten Bildungsweg wird das Schüler-BAföG oft elternunabhängig gezahlt, was es für Erwachsene deutlich interessanter macht als das normale Schüler-BAföG. Daneben gibt es das Aufstiegs-BAföG, den schon erwähnten Bildungsgutschein der Agentur für Arbeit und den staatlichen Bildungskredit. Welche Förderung zu welchem Weg passt und worauf Sie bei den Anträgen achten müssen, steht ausführlich unter BAföG und Förderung.
Eine Warnung zum kostenlosen Online-Abitur: Ein vollwertiges, anerkanntes Abitur kostenlos bei einem privaten Anbieter gibt es nicht. Kostenfrei sind die staatlichen Schulen. Wenn ein Anbieter mit "Abitur gratis online" wirbt, lohnt ein zweiter, kritischer Blick auf das Kleingedruckte.
Häufige Fehler - und wie Sie sie vermeiden
Aus der Beratungspraxis tauchen immer wieder dieselben Stolperfallen auf:
- Die Dauer unterschätzen. "In einem Jahr zum Abitur" ist ohne Vorleistungen unrealistisch. Schneller geht es nur mit Vorkenntnissen oder über die Fachhochschulreife. Was realistisch ist, lesen Sie unter Dauer.
- Die zweite Fremdsprache vergessen. Wer das erst kurz vor der Prüfung merkt, gerät massiv unter Druck. Klären Sie das ganz am Anfang.
- Anmeldefristen verpassen. Bei der Externenprüfung ist die Anmeldung oft ein halbes Jahr vorher fällig. Ein verpasster Termin kostet ein ganzes Jahr.
- Den falschen Weg wählen. Vollzeit-Kolleg neben einem 40-Stunden-Job geht nicht auf. Wer berufstätig bleibt, fährt mit Abendgymnasium oder Fernabitur besser.
- Nur auf den Preis schauen. Der billigste Fernkurs hilft nicht, wenn die Betreuung fehlt und Sie das Probemonat-Recht nicht nutzen.
- Zu spät durchhalten lernen. Der zweite Bildungsweg scheitert selten am Stoff, sondern am Dranbleiben über Monate hinweg. Planen Sie feste Lernzeiten ein, statt auf Motivation zu warten.
Checkliste vor der Anmeldung
Bevor Sie unterschreiben oder sich an einer Schule einschreiben, sollten diese Punkte abgehakt sein:
- Ziel ist klar: volles Abitur oder Fachhochschulreife.
- Voraussetzungen Ihres Bundeslandes geprüft, zweite Fremdsprache bedacht.
- Realistisches Zeitbudget pro Woche bestimmt.
- Passender Weg gewählt: Abendgymnasium, Kolleg, Fernabitur oder Externenprüfung.
- Finanzierung geklärt und nötige Anträge rechtzeitig gestellt.
- Bei staatlichen Schulen: Anmeldefristen und Beginn notiert.
- Bei Fernschulen: Probemonat genutzt, Gesamtkosten und Betreuung verglichen.
- Eine Beratungsstelle kontaktiert, falls noch Fragen offen sind.
Weiterführende Seiten
Zum Vertiefen einzelner Themen helfen diese Übersichten: die Wege zum Abitur im Vergleich, die ehrliche Einschätzung zu Kosten und Dauer, die Optionen Studieren mit Fachabitur und das klassische Telekolleg. Wenn Sie eine Schule in Ihrer Nähe suchen, führt die Städteübersicht zu den Angeboten vor Ort.