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Abitur nachholen: Voraussetzungen

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Wer das Abitur nachholen will, fragt sich zuerst: Darf ich das überhaupt? Die ehrliche Antwort lautet: fast immer ja - aber die Bedingungen hängen stark davon ab, welchen Weg Sie wählen und in welchem Bundesland Sie wohnen. Diese Seite ordnet die wichtigsten Voraussetzungen ein, ohne Schönfärberei.

Lernen für das Abitur - Abitur nachholen: Voraussetzungen

Es gibt nicht "die" eine Voraussetzung

Das Missverständnis Nummer eins: Viele suchen nach einer festen Liste, die für ganz Deutschland gilt. So etwas gibt es beim zweiten Bildungsweg nicht. Bildung ist Ländersache, und jedes Bundesland regelt die Zulassung zu Abendgymnasium, Kolleg und Externenprüfung in eigenen Schulgesetzen und Verordnungen. Beim Fernabitur kommt noch hinzu, dass private Fernschulen ihre eigenen Aufnahmekriterien setzen, die meist deutlich offener sind als die staatlichen.

Trotzdem gibt es ein paar wiederkehrende Größen, die fast überall auftauchen: ein Mindestalter, ein bestimmter Vorbildungsstand, oft eine Berufsausbildung oder Berufstätigkeit und - für das volle Abitur - eine zweite Fremdsprache. Wie diese Bausteine gewichtet werden, das unterscheidet die Wege.

Abendgymnasium und Kolleg: die staatlichen Regeln

Hier sind die Voraussetzungen am festesten, weil es um staatlich getragene Schulen geht. In den meisten Bundesländern brauchen Sie für die Aufnahme an einem Abendgymnasium oder Kolleg:

Der wichtigste Unterschied zwischen beiden: Das Abendgymnasium ist berufsbegleitend gedacht, deshalb wird dort oft verlangt, dass Sie zu Beginn berufstätig sind oder zumindest waren. Das Kolleg läuft in Vollzeit, weshalb man dort in der Regel während der Schulzeit nicht in Vollzeit arbeiten darf. Wer also weiter Geld verdienen muss, landet meist beim Abendgymnasium.

Was viele unterschätzen: Mit einem Hauptschulabschluss kommt man an diese Schulen nicht direkt heran. In einigen Ländern gibt es einen Vorkurs oder ein Vorsemester, über das fehlende Grundlagen aufgeholt werden, bevor die eigentliche Oberstufe beginnt. Fragen Sie konkret bei der Schule nach - die Handhabung ist regional sehr verschieden.

Anmeldung ist nicht gleich Prüfungszulassung

Ein Punkt, der oft durcheinandergeht: Es gibt zwei verschiedene Türen, durch die man muss. Die erste ist die Aufnahme an der Schule beziehungsweise die Anmeldung bei der Schulbehörde. Die zweite ist die Zulassung zur eigentlichen Abiturprüfung am Ende.

An Abendgymnasium und Kolleg sind diese Türen verbunden: Wer regulär aufgenommen wird und die Kurse mit ausreichenden Leistungen durchläuft, wird auch zur Prüfung zugelassen. Bei der Externenprüfung (auch Nichtschülerprüfung genannt) liegt die Sache anders. Dort melden Sie sich direkt bei der Schulbehörde des Landes zur Prüfung an, meist rund ein halbes Jahr vorher. Geprüft wird dann, ob Sie die formalen Bedingungen erfüllen und welche Fächer beziehungsweise welcher Stoff in welchem Umfang abgeprüft werden. Das ist der anspruchsvollste Weg, weil Sie den kompletten Stoff ohne Schulbesuch beherrschen müssen.

Fernabitur: niedrigere Hürden beim Einstieg

Bei den Fernschulen ist der Zugang spürbar offener. Viele Anbieter nehmen Sie auch dann auf, wenn Sie keinen mittleren Schulabschluss haben - in dem Fall starten Sie mit Vorbereitungs- oder Brückenmodulen, die den fehlenden Stoff nachliefern. Das Fernabitur ist deshalb oft die realistischere Option für alle, die mit Hauptschulabschluss oder einem länger zurückliegenden Schulbesuch wieder einsteigen.

Das bedeutet aber nicht, dass es leichter ist. Die formale Einstiegshürde ist niedrig, die eigentliche Anforderung verschiebt sich nach hinten: Sie müssen sich über zweieinhalb bis dreieinhalb Jahre selbst organisieren, ohne Klassenverband, ohne festen Stundenplan. Die wichtigste Voraussetzung beim Fernabitur ist deshalb keine Urkunde, sondern Durchhaltevermögen und ein verlässlicher Lernrhythmus neben Job oder Familie.

Wer am Ende den vollwertigen Abschluss anstrebt, legt die Abiturprüfung in der Regel ebenfalls als Externenprüfung an einer staatlichen Schule ab - die Fernschule bereitet darauf vor und meldet Sie an, prüft aber nicht selbst. Auch hier gilt: Für die allgemeine Hochschulreife müssen Sie eine zweite Fremdsprache nachweisen.

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Englisch und die zweite Fremdsprache

Das ist die Hürde, die am häufigsten übersehen wird. Für die allgemeine Hochschulreife - also das "echte" Abitur, das zu jedem Studiengang an einer Universität berechtigt - verlangen die meisten Bundesländer den Nachweis von zwei Fremdsprachen. Englisch ist fast immer eine davon. Die zweite ist häufig Französisch, manchmal Latein, Spanisch oder eine andere Sprache, je nach Angebot der Schule.

Wenn Sie in der Schule nie eine zweite Fremdsprache hatten, ist das kein Ausschlusskriterium, aber ein Mehraufwand. An Abendgymnasium und Kolleg wird die zweite Fremdsprache als Kurs angeboten, sodass Sie sie während der Schulzeit von Grund auf lernen. Beim Fernabitur gibt es entsprechende Module. Planen Sie dafür Zeit und Energie ein - für viele ist die zweite Fremdsprache der Stolperstein, nicht Mathe oder Deutsch.

Eine Ausnahme: Wenn Ihnen die Hochschulreife genügt, um an einer Fachhochschule zu studieren, brauchen Sie diesen Aufwand nicht. Dazu gleich mehr.

Wenn der mittlere Abschluss fehlt

Hauptschulabschluss oder gar kein Abschluss - auch dann ist der Weg nicht verbaut, er sieht nur anders aus. Über das Abendgymnasium oder Kolleg geht es meist nur mit Umweg über einen Vorkurs. Direkter sind zwei andere Routen:

Erstens das Fernabitur, weil die Fernschulen wie beschrieben auch ohne mittleren Abschluss aufnehmen und die Grundlagen im Vorlauf mitliefern. Zweitens der Umweg über die Fachhochschulreife: Sie holen erst die Fachhochschulreife nach und bauen danach gegebenenfalls auf die volle Hochschulreife auf. Wie dieser Stufenweg im Detail aussieht, hängt wieder vom Bundesland und vom gewählten Schultyp ab.

Fachhochschulreife als Alternative

Nicht jeder braucht das volle Abitur. Wer an einer Fachhochschule studieren möchte, kommt mit der Fachhochschulreife (umgangssprachlich Fachabitur) aus. Die Voraussetzungen dafür sind in mehrfacher Hinsicht milder:

Worin der Unterschied zur allgemeinen Hochschulreife im Einzelnen liegt, behandelt die Seite zum Fachabitur ausführlicher. Für viele Berufswege reicht die Fachhochschulreife völlig - bevor Sie die zusätzlichen Jahre und die zweite Fremdsprache investieren, lohnt die Frage, ob Sie das volle Abitur wirklich brauchen.

Alter, Wartezeit und Berufserfahrung

Das Mindestalter von 18 oder 19 Jahren bei den staatlichen Schulen ist kein Schikane, sondern Folge der Logik des zweiten Bildungswegs: Diese Schulen sind für Erwachsene gedacht, die den ersten Bildungsweg bereits verlassen haben. Wer mit 16 oder 17 noch das Abitur machen will, ist auf dem normalen Gymnasium oder einer beruflichen Schule meist besser aufgehoben.

Nach oben gibt es keine Altersgrenze. Es ist völlig normal, das Abitur mit Ende 30, mit 50 oder später nachzuholen. Die Berufserfahrung, die viele dann mitbringen, wird häufig sogar als Voraussetzung anerkannt - eine abgeschlossene Ausbildung oder mehrere Jahre Erwerbstätigkeit ersetzen in vielen Ländern den Nachweis, dass Sie wirklich auf dem zweiten Bildungsweg sind. Beim Fernabitur spielt das Alter ohnehin kaum eine Rolle; hier zählt, ob Sie das Pensum bewältigen.

Was es nicht braucht - und was Geld kostet

Halten wir ein paar Mythen fest. Sie brauchen keinen bestimmten Notendurchschnitt, um aufgenommen zu werden - die Auswahl erfolgt nicht nach Noten, sondern nach den formalen Bedingungen. Sie brauchen für die staatlichen Wege auch kein Geld: Abendgymnasium und Kolleg sind in aller Regel schulgeldfrei. Kosten entstehen vor allem beim Fernabitur, wo je nach Anbieter und Dauer ungefähr 2.400 bis 4.800 Euro für den gesamten Kurs zusammenkommen.

Ein vollwertiges, kostenloses "Online-Abitur" eines privaten Anbieters gibt es nicht - kostenfrei sind die staatlichen Wege. Wer beim Fernabitur Unterstützung sucht, sollte sich mit den Fördermöglichkeiten beschäftigen: Schüler-BAföG (auf dem zweiten Bildungsweg oft elternunabhängig), Aufstiegs-BAföG, ein Bildungsgutschein der Agentur für Arbeit oder ein Bildungskredit kommen je nach Situation infrage. Eine Aufstellung der einzelnen Förderwege und der konkreten Beträge finden Sie unter Kosten.

Voraussetzungen je Weg im Vergleich

WegVorbildung2. Fremdsprache nötig?Besonderheit
Abendgymnasiummittlerer Abschluss, Berufstätigkeit/Ausbildungja (für allg. Abitur)berufsbegleitend, abends
Kollegmittlerer Abschluss, Ausbildung/Berufserfahrungja (für allg. Abitur)Vollzeit, keine Vollzeitarbeit nebenbei
Fernabituroft auch ohne mittleren Abschlussja (für allg. Abitur)ortsunabhängig, viel Selbstorganisation
Externenprüfungje Land, Stoff komplett selbstja (für allg. Abitur)kein Schulbesuch, Anmeldung halbes Jahr vorher
Fachhochschulreifemilder, oft mit Praxisanteilneinschneller, nur FH-Studium

So finden Sie Ihre konkreten Bedingungen

Weil alles vom Bundesland abhängt, hilft am Ende kein allgemeiner Text, sondern die Quelle vor Ort. Prüfen Sie die Aufnahmebedingungen direkt bei einem Abendgymnasium oder Kolleg in Ihrer Nähe - eine Übersicht nach Orten gibt es unter Städte. Für die Externenprüfung ist die Schulbehörde Ihres Landes zuständig; rechnen Sie mit einer Anmeldefrist von etwa einem halben Jahr. Beim Fernabitur nutzen Sie das vierwöchige Probestudium, um zu testen, ob das Format zu Ihrem Alltag passt, bevor Sie sich binden.

Wie lange die einzelnen Wege dauern, lesen Sie unter Dauer. Eine geordnete Übersicht aller Optionen samt weiterführender Anlaufstellen finden Sie auf der Startseite Abitur nachholen. Ein realistischer Hinweis zum Schluss: Das volle Abitur in einem einzigen Jahr ohne jede Vorleistung ist nicht zu schaffen. Schneller geht es nur mit anrechenbaren Vorkenntnissen oder über den Umweg der Fachhochschulreife.