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Fernabitur: Abitur per Fernschule nachholen
Das Fernabitur ist für viele der praktischste Weg zur allgemeinen Hochschulreife: Sie lernen von zu Hause, ohne festen Stundenplan und im eigenen Tempo. Wer berufstätig ist, Kinder hat oder kein Abendgymnasium in der Nähe, kommt damit ans Ziel, ohne den Alltag umzukrempeln. Dieser Ratgeber erklärt, wie das Fernabitur abläuft, was es kostet, wie lange es dauert und worauf Sie bei der Wahl der Fernschule achten sollten.

Was ist das Fernabitur?
Fernabitur bedeutet: Eine Fernschule bereitet Sie auf das Abitur vor, die Prüfung selbst legen Sie als Nichtschüler an einer staatlichen Schule ab. Die Fernschule liefert also Lernstoff, Betreuung und Struktur - das Zeugnis stellt am Ende das Bundesland aus. Genau deshalb ist das Fernabitur bundesweit anerkannt und dem Abitur einer Präsenzschule gleichwertig.
Seriöse Anbieter sind von der Staatlichen Zentralstelle für Fernunterricht (ZFU) zugelassen. Diese Zulassung ist Pflicht und ein verlässliches Qualitätsmerkmal. Achten Sie darauf, dass der Kurs ausdrücklich auf die allgemeine Hochschulreife vorbereitet, wenn Sie an einer Universität studieren möchten. Manche Fernschulen führen ergänzend zur Fachhochschulreife - die ist schneller erreichbar, berechtigt aber nur zum Studium an Fachhochschulen.
Für wen sich das Fernabitur eignet
Das Fernabitur spielt seine Stärken aus, wenn Präsenzunterricht nicht in Ihren Alltag passt. Typische Situationen: Sie arbeiten Vollzeit oder in Schicht, betreuen Kinder, wohnen weit von der nächsten Schule entfernt oder möchten sich den Lernstoff frei einteilen. Wer dagegen feste Termine und den direkten Austausch in der Gruppe braucht, um am Ball zu bleiben, ist am Abendgymnasium oder Kolleg oft besser aufgehoben.
Eine ehrliche Voraussetzung ist Selbstdisziplin. Niemand kontrolliert, ob Sie diese Woche gelernt haben. Wer sich realistische wöchentliche Lernzeiten setzt und sie einhält, kommt durch. Wer das nicht kann, sollte den festeren Rahmen einer Präsenzschule wählen.
So läuft das Fernabitur ab
Den Kern bilden Studienhefte, die Sie nach und nach durcharbeiten, ergänzt um einen Online-Campus mit Videos, Übungen und Austausch. Zu jedem Heft gehören Einsendeaufgaben: Sie lösen sie, schicken sie ein und bekommen sie korrigiert zurück. So sehen Sie früh, wo Sie stehen. Bei Fragen erreichen Sie Fachtutoren per Nachricht oder Telefon.
Viele Anbieter bieten freiwillige Präsenz- oder Online-Seminare an, besonders in der Prüfungsvorbereitung. Gegen Ende üben Sie gezielt für die einzelnen Prüfungsfächer. Den Takt bestimmen Sie selbst: Wer mehr Zeit investiert, ist schneller fertig; wer eine Pause braucht, schiebt Hefte nach hinten.
Wie lange dauert das Fernabitur?
Die meisten Anbieter rechnen mit rund 30 bis 42 Monaten Regelstudienzeit, wenn Sie ohne Vorkenntnisse starten und etwa zehn bis fünfzehn Stunden pro Woche lernen. Mit Vorleistungen, etwa einer bereits vorhandenen Fachhochschulreife oder einem höheren Schulabschluss, lässt sich der Weg verkürzen.
Im Netz kursiert die Idee, das Abitur lasse sich „in einem Jahr" nachholen. Für das vollständige Abitur ohne Vorkenntnisse ist das unrealistisch - der Stoff von mehreren Schuljahren braucht Zeit. Was in kürzerer Zeit gelingt, ist der Aufbau auf vorhandene Abschlüsse oder der schnellere Weg über die Fachhochschulreife. Seien Sie bei Werbeversprechen mit sehr kurzen Zeiten skeptisch und prüfen Sie, von welcher Ausgangslage dort ausgegangen wird. Mehr dazu auf der Seite Dauer.
Voraussetzungen
Hier lohnt eine wichtige Unterscheidung. Für die Anmeldung bei der Fernschule gibt es meist keine harten Hürden - viele Anbieter nehmen auch ohne mittleren Abschluss auf und bieten Vorbereitungsmodule an. Für die Zulassung zur Abiturprüfung gelten dagegen die Regeln des jeweiligen Bundeslandes. Häufig werden ein mittlerer Schulabschluss, ein Mindestalter sowie eine Berufsausbildung oder Berufstätigkeit verlangt.
Ein Punkt, den viele unterschätzen: Für das allgemeine Abitur ist in der Regel eine zweite Fremdsprache nachzuweisen. Fehlt sie, holen Sie sie über ein zusätzliches Modul nach - die Fernschulen haben dafür passende Kurse. Wer ganz ohne mittleren Abschluss startet, findet die Wege unter Abitur ohne Realschulabschluss, die genauen Bedingungen unter Voraussetzungen.
Kosten und Förderung
Ein Fernabitur kostet je nach Anbieter und Laufzeit insgesamt rund 2.400 bis 4.800 Euro, die Sie in Monatsraten zahlen. Achten Sie auf die Gesamtsumme, nicht nur auf die niedrig wirkende Monatsrate. Wichtig ist außerdem eine kostenlose Verlängerung: Seriöse Anbieter lassen Sie über die Regelzeit hinaus weiterlernen, ohne dass zusätzliche Gebühren anfallen.
| Posten | Größenordnung |
|---|---|
| Kursgebühr Fernschule (gesamt) | ca. 2.400-4.800 € |
| Monatsrate | ca. 100-160 € |
| Prüfungsgebühren (Land) | je nach Bundesland, teils kostenfrei |
| Probestudium (4 Wochen) | kostenlos |
Wer nach „Abitur online kostenlos" sucht, sollte wissen: Einen vollwertigen, kostenlosen Online-Abiturkurs eines privaten Anbieters gibt es nicht. Kostenfrei sind die staatlichen Wege, also Abendgymnasium und Kolleg. Beim Fernabitur lassen sich die Kosten aber über Förderung deutlich senken - Schüler-BAföG, Bildungsgutschein der Agentur für Arbeit oder ein zinsgünstiger Bildungskredit kommen je nach Situation infrage. Eine Übersicht gibt die Seite BAföG & Förderung, einen Vergleich aller Wege die Seite Kosten.
Die Abschlussprüfung: Nichtschüler-Abiturprüfung
Da Sie keine staatliche Schule besuchen, legen Sie das Abitur über die Nichtschüler-Abiturprüfung ab. Sie melden sich bei der zuständigen Schulbehörde des Bundeslandes an, in der Regel rund ein halbes Jahr vor dem Termin. Geprüft werden mehrere Fächer schriftlich und mündlich nach der Prüfungsordnung des Landes. Der große Vorteil beim Fernabitur: Die Fernschule kennt diese Abläufe, bereitet gezielt auf die geforderten Fächer vor und unterstützt bei der Anmeldung. So scheitert niemand an Formalien oder an einem Fach, das im Lehrplan gefehlt hätte.
Welche Fächer werden geprüft?
Die genaue Fächerwahl regelt das Bundesland, doch das Grundmuster ähnelt sich überall. Geprüft werden in der Regel vier bis fünf Fächer. Den Kern bilden Deutsch, eine fortgeführte Fremdsprache und Mathematik, dazu kommen Fächer aus dem gesellschafts- und dem naturwissenschaftlichen Bereich. Üblich sind mehrere schriftliche Prüfungen und mindestens eine mündliche. Für das allgemeine Abitur müssen Sie zudem zwei Fremdsprachen über einen festgelegten Zeitraum belegt haben. Fehlt die zweite, holen Sie sie über ein Zusatzmodul der Fernschule nach. Welche Fächer in Ihrem Bundesland konkret verlangt werden, erfahren Sie bei der zuständigen Schulbehörde - Ihre Fernschule stimmt den Lehrgang darauf ab.
Vorteile und Grenzen des Fernabiturs
Die größte Stärke ist die Freiheit: Sie lernen, wann und wo es passt, und machen neben Beruf oder Familie weiter. Dazu kommen die persönliche Betreuung durch Tutoren, der jederzeit mögliche Einstieg und die kostenlose Verlängerung, falls das Leben dazwischenkommt.
Die Kehrseite sollten Sie ehrlich bedenken. Sie tragen die Verantwortung für Ihren Fortschritt allein - es gibt keine Klasse, die mitzieht, und keinen Lehrer, der nachhakt. Das verlangt Organisation und Ausdauer, gerade über die lange Laufzeit. Außerdem ist das Fernabitur privat finanziert, während Abendgymnasium und Kolleg in der Regel kein Schulgeld kosten. Wer für sich erkennt, dass ihm der feste Rahmen fehlt, fährt mit einer Präsenzschule besser. Alle anderen gewinnen durch die Flexibilität.
Fernabitur, Abendgymnasium oder Kolleg?
Alle drei führen zur allgemeinen Hochschulreife - sie unterscheiden sich vor allem in Form und Tempo. Das Fernabitur ist ortsunabhängig und flexibel, dafür privat finanziert. Das Abendgymnasium ist berufsbegleitend und meist schulgeldfrei, setzt aber eine Schule in erreichbarer Nähe und feste Abende voraus. Das Kolleg ist der Vollzeitweg und damit schnell, lässt aber keine parallele Vollzeitarbeit zu.
| Weg | Form | Kosten | Stärke |
|---|---|---|---|
| Fernabitur | ortsunabhängig, flexibel | ca. 2.400-4.800 € | passt sich dem Alltag an |
| Abendgymnasium | berufsbegleitend, Präsenz | meist schulgeldfrei | fester Rahmen, Gruppe |
| Kolleg | Vollzeit, Präsenz | meist schulgeldfrei | zügig, konzentriert |
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So gelingt der Einstieg
Nutzen Sie das vierwöchige Probestudium wirklich aus: Arbeiten Sie ein erstes Heft durch und prüfen Sie ehrlich, ob das Lernen zu Hause für Sie funktioniert. Legen Sie feste Lernzeiten in der Woche fest und behandeln Sie sie wie einen Termin. Klären Sie früh die Prüfungsbedingungen Ihres Bundeslandes, vor allem die zweite Fremdsprache, damit am Ende keine Überraschung wartet. Und scheuen Sie sich nicht, die Tutoren zu fragen - dafür sind sie da. Wer diese vier Dinge beherzigt, bringt das Fernabitur mit hoher Wahrscheinlichkeit zu Ende.
Worauf Sie bei der Anbieterwahl achten sollten
Die Fernschulen unterscheiden sich weniger im Lehrplan als im Drumherum. Prüfen Sie vor dem Abschluss eines Vertrags ein paar Punkte: Ist der Kurs von der ZFU zugelassen? Wie lange dürfen Sie kostenlos über die Regelzeit hinaus weiterlernen, falls Sie mehr Zeit brauchen? Sind freiwillige Seminare und die Prüfungsvorbereitung im Preis enthalten oder kosten sie extra? Wie schnell und persönlich antworten die Tutoren? Und passt die zweite Fremdsprache, die Sie brauchen, ins Angebot? Diese Fragen lassen sich im kostenlosen Probemonat gut klären - nehmen Sie sich die Zeit, bevor Sie sich für mehrere Jahre binden.
Vergleichen lohnt sich, denn die Gesamtkosten und der Service liegen teils deutlich auseinander. Fordern Sie das Infomaterial mehrerer Anbieter an und lesen Sie es nebeneinander - so treffen Sie eine Entscheidung, die wirklich zu Ihrer Lebenssituation passt.