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Zweiter Bildungsweg: Abschlüsse nachholen
Der zweite Bildungsweg ist die Sammelbezeichnung für alle Wege, auf denen Erwachsene einen Schulabschluss nachholen, den sie früher nicht gemacht haben. Vom Hauptschulabschluss bis zum vollen Abitur ist alles möglich - berufsbegleitend abends, in Vollzeit am Kolleg oder ortsunabhängig per Fernschule. Diese Seite gibt den Überblick und sortiert, welcher Weg zu welchem Ziel passt.

Was der zweite Bildungsweg überhaupt ist
Der erste Bildungsweg ist die normale Schullaufbahn: Grundschule, weiterführende Schule, Abschluss mit etwa 16 oder 18 Jahren. Wer dort einen Abschluss verpasst, abgebrochen oder bewusst ausgelassen hat, ist deswegen nicht raus. Der zweite Bildungsweg holt das später nach - meist neben Beruf oder Familie, manchmal auch in Vollzeit.
Der entscheidende Punkt: Die Abschlüsse sind rechtlich gleichwertig. Ein Abitur, das Sie mit 35 am Abendgymnasium gemacht haben, ist genau dasselbe wie das Abitur eines 18-Jährigen vom Gymnasium. Im Zeugnis steht nichts von "zweiter Bildungsweg", und an der Uni fragt niemand danach. Auch Arbeitgeber unterscheiden hier nicht.
Welche Abschlüsse Sie nachholen können
Bevor es um Schulen und Anbieter geht, sollten Sie wissen, welches Ziel Sie eigentlich anpeilen. Die vier gängigen Abschlüsse unterscheiden sich deutlich in Aufwand und in dem, was sie Ihnen anschließend öffnen.
| Abschluss | Was er bringt | Üblicher Aufwand |
|---|---|---|
| Hauptschulabschluss | Basis für viele Ausbildungen | einige Monate bis 1 Jahr |
| Mittlerer Abschluss (Realschulabschluss) | Zugang zu mehr Ausbildungen, Sprungbrett zur Oberstufe | etwa 1 bis 2 Jahre |
| Fachhochschulreife (Fachabitur) | Studium an Fachhochschulen | etwa 1 bis 2 Jahre |
| Allgemeine Hochschulreife (Abitur) | jedes Studium an Universität und FH | etwa 3 Jahre |
Den mittleren Abschluss nachzuholen ist oft ein guter Zwischenschritt, wenn Sie eigentlich zum Abitur wollen, aber die Voraussetzungen für die Oberstufe noch nicht erfüllen. Wer dagegen schon einen mittleren Abschluss hat, kann direkt auf eines der Abi-Ziele zusteuern.
Fachhochschulreife oder volles Abitur?
Das ist die wichtigste Weichenstellung. Die Fachhochschulreife, umgangssprachlich oft Fachabitur genannt, reicht für ein Studium an einer Fachhochschule und ist schneller zu schaffen, oft in ein bis zwei Jahren. Sie brauchen dafür in der Regel keine zweite Fremdsprache. Die allgemeine Hochschulreife, also das volle Abitur, dauert länger und verlangt meist eine zweite Fremdsprache, öffnet dafür aber wirklich jeden Studiengang. Wer mit Fachhochschulreife startet, kann unter bestimmten Bedingungen später trotzdem an einer Universität studieren.
Die Einrichtungen im Überblick
Für denselben Abschluss gibt es mehrere Wege. Welcher passt, hängt davon ab, wie viel Zeit Sie haben, ob Sie nebenbei arbeiten und wie selbstständig Sie lernen.
Abendgymnasium
Das Abendgymnasium ist der Klassiker für Berufstätige. Unterricht findet abends statt, manchmal auch am Wochenende, sodass Sie tagsüber arbeiten können. Die staatlichen Abendgymnasien sind in der Regel schulgeldfrei, Sie zahlen also nur Material und Fahrten. Bis zum Abitur dauert es etwa drei Jahre. Voraussetzung ist meist ein mittlerer Abschluss plus eine abgeschlossene Berufsausbildung oder Berufstätigkeit sowie ein Mindestalter um die 18 bis 19 Jahre. Das schwankt je nach Bundesland.
Kolleg
Das Kolleg führt ebenfalls zum Abitur, aber in Vollzeit am Tag. Das passt, wenn Sie sich ganz aufs Lernen konzentrieren wollen oder können - etwa nach einer Kündigung, in einer Umbruchphase oder mit Unterstützung durch Förderung. Auch Kollegs sind überwiegend schulgeldfrei und dauern rund drei Jahre. Weil es Vollzeit ist, dürfen Sie meist nur in begrenztem Umfang nebenher arbeiten.
Telekolleg
Das Telekolleg ist ein mediengestützter Weg, der vor allem in Bayern und einigen Nachbarländern angeboten wird. Sie lernen mit Lehrsendungen und Begleitmaterial weitgehend zu Hause und besuchen ergänzend Präsenztage. Damit lässt sich die Fachhochschulreife erreichen. Das ist eine günstige Mischung aus Fernlernen und staatlichem Angebot, allerdings regional und im Fächerangebot begrenzt.
Fernschule und Fernabitur
Beim Fernabitur lernen Sie ortsunabhängig mit Lernheften und Online-Material im eigenen Tempo. Es gibt keinen festen Stundenplan, was berufstätigen Menschen und Eltern entgegenkommt. Die seriösen Anbieter sind von der Staatlichen Zentralstelle für Fernunterricht (ZFU) zugelassen und bieten meist vier Wochen kostenloses Probestudium an. Die Vorbereitung dauert je nach Vorkenntnissen und Lerntempo etwa 30 bis 42 Monate. Gesamtkosten liegen ungefähr zwischen 2.400 und 4.800 Euro. Wichtig: Die Fernschule bereitet vor, die eigentliche Abiturprüfung legen Sie als Externe oder Externer an einer staatlichen Schule ab. Fernschulen nehmen oft auch Menschen ohne mittleren Abschluss auf - ein Vorteil für alle, denen formale Vorstufen fehlen.
Volkshochschule (VHS)
Viele Volkshochschulen bieten Kurse zum Nachholen des Hauptschul- oder mittleren Abschlusses an, manche auch Vorbereitungskurse Richtung Fachhochschulreife. Die VHS ist günstig, wohnortnah und niedrigschwellig. Für das volle Abitur ist sie meist nicht der direkte Weg, aber ein guter Einstieg, um Grundlagen aufzufrischen oder einen Zwischenabschluss zu machen.
Nichtschülerprüfung (Externenprüfung)
Wer keine Schule besuchen will, kann sich komplett selbst vorbereiten und nur zur Prüfung antreten. Diese Externenprüfung melden Sie etwa ein halbes Jahr vorher bei der Schulbehörde Ihres Bundeslandes an. Der Weg ist anspruchsvoll, weil Sie sich allein durch den gesamten Stoff arbeiten, dafür aber zeitlich frei und kostengünstig. Viele kombinieren ihn mit einer Fernschule, die gezielt darauf vorbereitet.
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Fernakademie für Erwachsenenbildung
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Voraussetzungen - und warum sie je nach Bundesland anders sind
Bildung ist in Deutschland Ländersache, deshalb gibt es keine bundesweit einheitlichen Aufnahmeregeln. Trotzdem ähneln sich die Anforderungen. Für das Abitur am Abendgymnasium oder Kolleg verlangen die meisten Länder einen mittleren Abschluss, eine abgeschlossene Berufsausbildung oder mehrjährige Berufstätigkeit und ein Mindestalter. Für die allgemeine Hochschulreife brauchen Sie zudem fast überall Kenntnisse in einer zweiten Fremdsprache, die sich aber während des Bildungsgangs nachholen lassen.
Fernschulen sind hier flexibler und nehmen häufig auch ohne mittleren Abschluss auf. Welche Regeln konkret für Sie gelten, prüfen Sie am besten unter Voraussetzungen. Wer ganz ohne mittleren Abschluss startet, hat über Fernschulen und die Externenprüfung trotzdem realistische Möglichkeiten.
Was es kostet und wie lange es dauert
Die staatlichen Wege - Abendgymnasium, Kolleg, VHS-Kurse - sind in der Regel schulgeldfrei. Es bleiben Kosten für Bücher, Material und Fahrten. Beim Fernabitur zahlen Sie das monatliche Lehrgangsgeld, in der Summe meist im niedrigen vierstelligen Bereich.
Bei der Dauer sollten Sie ehrlich rechnen. Das volle Abitur ohne Vorkenntnisse "in einem Jahr" ist unrealistisch - solche Versprechen sollten Sie skeptisch machen. Schneller geht es nur, wenn Sie schon Vorleistungen anrechnen lassen können oder den kürzeren Weg über die Fachhochschulreife gehen. Realistisch sind für das Abitur rund drei Jahre, für die Fachhochschulreife ein bis zwei.
Förderung: Sie müssen das nicht allein stemmen
Für den zweiten Bildungsweg gibt es mehrere Töpfe. Beim Schüler-BAföG ist ein Detail entscheidend: Wer den schulischen Abschluss auf dem zweiten Bildungsweg nachholt, bekommt es oft elternunabhängig - das Einkommen der Eltern zählt dann nicht. Daneben gibt es das Aufstiegs-BAföG für berufliche Aufstiegsfortbildungen, den Bildungsgutschein der Agentur für Arbeit, der unter bestimmten Voraussetzungen ganze Lehrgänge finanziert, sowie den zinsgünstigen Bildungskredit. Welcher Topf für Sie in Frage kommt, hängt von Abschlussziel, Alter und Lebenslage ab - hier lohnt eine frühe Beratung bei der jeweiligen Stelle.
Ein verbreiteter Irrtum sei hier ausgeräumt: Ein vollwertiges, dauerhaft kostenloses "Online-Abitur" eines privaten Anbieters gibt es nicht. Kostenfrei sind die staatlichen Wege, also Abendgymnasium, Kolleg und VHS. Private Fernschulen leisten gute Arbeit, kosten aber Geld - das ist völlig in Ordnung, sollte nur niemanden überraschen.
Welcher Weg passt zu Ihnen?
Eine schnelle Orientierung: Wenn Sie tagsüber arbeiten und abends lernen können, ist das Abendgymnasium oft die naheliegende und kostenfreie Lösung. Können Sie eine Zeit lang in Vollzeit lernen, ist das Kolleg schneller im Alltag. Sind Sie zeitlich oder örtlich gebunden, etwa durch Schichtdienst, Kinder oder einen Wohnort weit von der nächsten Schule, spielt die Fernschule ihre Stärke aus.
Reicht Ihnen die Fachhochschulreife für Ihr Wunschstudium, sparen Sie damit spürbar Zeit. Und wer extrem diszipliniert allein lernen kann, kommt mit der Externenprüfung am günstigsten ans Ziel. Vertiefende Tipps und weiterführende Adressen finden Sie unter Tipps und Links.
Erste Schritte
Klären Sie zuerst Ihr Ziel: Ausbildung, FH-Studium oder Uni. Daraus ergibt sich der nötige Abschluss. Prüfen Sie dann die Aufnahmebedingungen in Ihrem Bundesland und schauen Sie, welche Einrichtungen in Ihrer Nähe in Frage kommen - eine Übersicht nach Orten gibt es unter Städte. Beim Fernabitur lohnt sich das kostenlose Probestudium, um Material und Lerntempo unverbindlich auszuprobieren. Und kümmern Sie sich früh um die Förderung, denn Anträge brauchen Vorlauf. Wer diese Punkte sauber abarbeitet, startet ohne böse Überraschungen.