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Telekolleg: Fachhochschulreife per Lehrsendungen

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Das Telekolleg ist ein eigener Weg zur Fachhochschulreife, der Lehrsendungen, Studienhefte und feste Präsenztage kombiniert. Es richtet sich an Berufstätige, die neben dem Job lernen wollen, und wird vor allem in Bayern angeboten. Wer das volle Abitur sucht oder außerhalb der Region wohnt, sollte die Grenzen des Modells kennen, bevor er sich anmeldet.

Lernen für das Abitur - Telekolleg: Fachhochschulreife per Lehrsendungen

Was das Telekolleg eigentlich ist

Das Telekolleg gehört zum zweiten Bildungsweg und ist ein Lehrgang, der zur Fachhochschulreife führt. Anders als ein Abendgymnasium, das man Abend für Abend besucht, läuft hier ein großer Teil des Stoffs über Medien: Sie arbeiten mit aufgezeichneten Lehrsendungen, dazu gibt es gedruckte oder digitale Studienhefte. Den Rest erledigen Sie zu Hause in Ihrem Tempo.

Der Begriff stammt aus einer Zeit, in der die Sendungen tatsächlich im Fernsehen liefen - daher der Name. Heute stehen die Lehrfilme online zur Verfügung, sodass Sie nicht mehr an feste Sendezeiten gebunden sind. Geblieben ist die Grundidee: Den theoretischen Stoff erarbeiten Sie selbst über die Medien, das Anwenden, Üben und Prüfen passiert an Präsenztagen.

Wichtig zur Einordnung: Das Telekolleg führt zur Fachhochschulreife, also zum sogenannten Fachabitur, nicht zur allgemeinen Hochschulreife. Mit dem Abschluss können Sie an Fachhochschulen sowie an einigen Hochschulen für angewandte Wissenschaften studieren. Ein Universitätsstudium in beliebigen Fächern ist damit nicht möglich. Wer das anstrebt, braucht das volle Abitur über einen anderen Weg.

So läuft das Lernen ab

Das Telekolleg arbeitet mit drei Bausteinen, die ineinandergreifen. Die Lehrsendungen vermitteln den Stoff anschaulich, oft mit Beispielen und Grafiken, wie man sie aus guten Bildungsformaten kennt. Die Studienhefte vertiefen das Gesehene, enthalten Aufgaben und dienen später als Nachschlagewerk. Und an den Kollegtagen, meist samstags an einer Partnerschule in Ihrer Nähe, treffen Sie Lehrkräfte und andere Teilnehmende.

Die Kollegtage sind mehr als nette Treffen. Hier werden Fragen geklärt, Aufgaben besprochen und vor allem die Leistungsnachweise geschrieben. Ein reines Selbststudium ohne diese Präsenz gibt es nicht - die Schulaufgaben und Prüfungen müssen Sie vor Ort ablegen. Das gibt dem Ganzen eine klare Struktur, verlangt aber auch, dass Sie an diesen Tagen verlässlich Zeit haben.

Typische Fächer sind Deutsch, Mathematik, Englisch, eine Naturwissenschaft sowie Sozialkunde oder Wirtschaft. Der genaue Fächerkanon hängt vom Lehrgang ab. Für die Fachhochschulreife wird in der Regel keine zweite Fremdsprache verlangt - das ist ein deutlicher Unterschied zum vollen Abitur, bei dem die zweite Fremdsprache fast immer Pflicht ist.

Dauer: meist rund zwei Jahre

Ein Telekolleg zur Fachhochschulreife dauert üblicherweise etwa zwei Jahre, aufgeteilt in mehrere Trimester oder Abschnitte. Die Lehrgänge sind so getaktet, dass man parallel arbeiten kann. Genau das ist der Anspruch: berufsbegleitend lernen, ohne den Job aufzugeben.

Zwei Jahre sind eine realistische Größe, kein Marketingversprechen. Rechnen Sie pro Woche mit mehreren Stunden für Sendungen und Hefte, dazu die Samstage. Wer das über zwei Jahre durchhält, braucht weniger Talent als Beständigkeit. Erfahrungsgemäß scheitern Teilnehmende seltener am Stoff als an der Regelmäßigkeit, wenn der Alltag dazwischenkommt.

Eine Verkürzung auf ein Jahr ist beim Telekolleg nicht vorgesehen. Wer schneller zum Ziel will und schon Vorleistungen mitbringt, sollte sich die Externenprüfung ansehen. Allgemeine Hinweise dazu, wie lange die einzelnen Wege wirklich brauchen, finden Sie auf der Seite Dauer.

Voraussetzungen für die Teilnahme

Die Bedingungen ähneln denen anderer Wege im zweiten Bildungsweg, sind aber je nach Lehrgang etwas unterschiedlich. In der Regel brauchen Sie einen mittleren Schulabschluss, also die mittlere Reife oder einen vergleichbaren Abschluss. Dazu kommt meist eine abgeschlossene Berufsausbildung oder eine gewisse Zeit an Berufstätigkeit. Ein Mindestalter ist üblich, oft volljährig oder kurz darüber.

Wer keinen mittleren Abschluss hat, ist nicht automatisch raus. Mancherorts werden Vorkurse oder Eignungsfeststellungen angeboten, über die der Zugang trotzdem gelingt. Das ist aber kein Automatismus - hier lohnt die direkte Nachfrage bei der anbietenden Stelle. Einen detaillierten Überblick über die typischen Bedingungen aller Wege bietet die Seite Voraussetzungen.

Eine zweite Fremdsprache ist für die Fachhochschulreife normalerweise nicht nötig. Das macht den Weg für viele angenehmer als das Abitur. Wer aber später doch noch das volle Abitur draufsatteln will, sollte die zweite Fremdsprache früh einplanen, weil sie dort meist verlangt wird.

Wo das Telekolleg verfügbar ist

Hier liegt die größte Einschränkung. Das Telekolleg in seiner klassischen Form ist ein bayerisches Modell und wird vor allem dort angeboten. Es entstand als Gemeinschaftsprojekt von Rundfunk und Kultusverwaltung und ist eng an das bayerische Schulsystem gekoppelt. In anderen Bundesländern gibt es das Angebot in dieser Form nicht oder nur in Resten.

Für Sie heißt das konkret: Wenn Sie nicht in Bayern wohnen oder in erreichbarer Nähe zu einem Kollegtag-Standort, ist das Telekolleg oft keine praktikable Option. Die Präsenztage müssen Sie persönlich wahrnehmen, ein Pendeln über große Strecken jeden Samstag ist auf Dauer mühsam. Prüfen Sie deshalb zuerst, ob es einen Standort in Ihrer Reichweite gibt, bevor Sie sich auf das Modell festlegen.

Selbst innerhalb Bayerns ist die Verfügbarkeit nicht flächendeckend. Welche Lehrgänge gerade starten und an welchen Partnerschulen die Kollegtage stattfinden, ändert sich. Die aktuelle Lage erfahren Sie am zuverlässigsten direkt bei den offiziellen Stellen. Eine Sammlung von Anlaufstellen finden Sie unter Tipps und Links.

Telekolleg im Vergleich zu anderen Wegen

Damit Sie das Modell einordnen können, hier die wichtigsten Wege nebeneinander. Die Zahlen sind Richtwerte, im Einzelfall kann es abweichen.

WegAbschlussDauerOrtRegion
TelekollegFachhochschulreife~2 JahreMedien + Kollegtagev.a. Bayern
Fernabitur (Fernschule)Fachhochschulreife oder Abitur~30-42 Monateortsunabhängigbundesweit
AbendgymnasiumAbitur~3 JahrePräsenz, abendsgrößere Städte
KollegAbitur~3 JahrePräsenz, Vollzeitgrößere Städte

Was auffällt: Das Telekolleg ist beim Lernort flexibler als ein Abendgymnasium oder ein Kolleg, weil der Theorieteil über Medien läuft. Beim vollen Abitur kann es aber nicht mithalten, weil es nur zur Fachhochschulreife führt. Wer ortsunabhängig dasselbe Ziel erreichen will, landet schnell beim Fernabitur.

Telekolleg oder Fernschule? Die ehrliche Abwägung

Wenn das Telekolleg an Ihrem Wohnort nicht erreichbar ist oder Sie sich nicht jeden Samstag binden können, ist das Fernabitur über eine staatlich zugelassene Fernschule die naheliegende Alternative. Es führt wahlweise zur Fachhochschulreife oder zum vollen Abitur, läuft komplett ortsunabhängig und kennt keine festen Kollegtage - Sie lernen, wann es passt.

Der Unterschied liegt im Preis und in der Verbindlichkeit. Das Telekolleg ist über öffentliche Träger meist sehr günstig, teils nur mit geringen Gebühren für Material. Eine Fernschule kostet dagegen über die gesamte Laufzeit ungefähr 2.400 bis 4.800 Euro, dafür bekommen Sie ein durchgetaktetes Programm, persönliche Betreuung und Korrekturen Ihrer Einsendeaufgaben. Seriöse Fernschulen sind von der ZFU zugelassen und bieten ein vierwöchiges Probestudium, in dem Sie kostenlos aussteigen können.

Ein häufiges Missverständnis: Ein vollwertiges, kostenloses Online-Abitur eines privaten Anbieters gibt es nicht. Kostenfrei oder sehr günstig sind die staatlichen Wege wie Telekolleg, Abendgymnasium und Kolleg. Wer Geld für eine Fernschule ausgibt, bezahlt vor allem Flexibilität und Betreuung. Die folgende Übersicht hilft beim Vergleich der zugelassenen Anbieter.

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Kosten und Förderung

Das Telekolleg selbst ist über die öffentlichen Träger kostengünstig. Es können Gebühren für die Studienhefte, die Anmeldung oder die Prüfungen anfallen, aber das bewegt sich in einem überschaubaren Rahmen verglichen mit einer Fernschule. Genau das macht den Weg für viele attraktiv.

Bei den Lebenshaltungskosten während der Lernzeit kann Förderung helfen. Beim zweiten Bildungsweg ist das Schüler-BAföG häufig elternunabhängig, was für Erwachsene ein echter Vorteil ist. Wer eine Fernschule wählt, kann je nach Situation Aufstiegs-BAföG, einen Bildungsgutschein der Agentur für Arbeit oder einen Bildungskredit prüfen. Welche Förderung zu welchem Weg passt, steht ausführlich auf den Seiten Kosten und BAföG und Förderung.

Was der Abschluss Ihnen bringt

Mit der Fachhochschulreife steht Ihnen ein Studium an Fachhochschulen offen, dazu duale Studiengänge und viele praxisnahe Bachelor-Programme. Für viele Berufsfelder ist das genau der passende Abschluss, weil die Studieninhalte anwendungsorientiert sind. Was konkret möglich ist, beschreibt die Seite Studieren mit Fachabitur.

Wenn Sie merken, dass Sie doch das volle Abitur brauchen, etwa für ein bestimmtes Uni-Fach, ist die Fachhochschulreife kein Endpunkt, sondern eine gute Basis. Sie haben dann bereits den Lernrhythmus gefunden und können über ein Abendgymnasium, ein Kolleg oder das Fernabitur die allgemeine Hochschulreife anschließen. Einen Überblick über alle Wege zum Ziel gibt die Startseite Abitur nachholen.

Für wen das Telekolleg passt - und für wen nicht

Das Telekolleg lohnt sich, wenn Sie in Bayern oder in erreichbarer Nähe wohnen, einen günstigen Weg suchen und mit der Mischung aus Selbststudium und festen Samstagen gut zurechtkommen. Wer diszipliniert mit Medien lernt und die Präsenztage als hilfreiche Struktur empfindet, ist hier richtig.

Weniger geeignet ist es, wenn Sie außerhalb der Region leben, das volle Abitur brauchen oder sich an keinen festen Wochentag binden können. In diesen Fällen sind das Fernabitur oder ein klassisches Abendgymnasium die realistischeren Optionen. Egal, wofür Sie sich entscheiden: Vergleichen Sie die Voraussetzungen und die Dauer der Wege ehrlich mit Ihrem Alltag, dann passt die Wahl auch zu Ihrem Leben.