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Abitur nachholen: Wie lange dauert es?
Wie lange Sie brauchen, um das Abitur nachzuholen, lässt sich nicht in einer einzigen Zahl beantworten. Die ehrliche Antwort liegt zwischen einem und vier Jahren - je nachdem, welchen Weg Sie wählen, was Sie schon mitbringen und wie viel Zeit Sie wöchentlich aufbringen können. Wer von vorn anfängt, sollte mit rund drei Jahren rechnen.

Die Dauer der gängigen Wege im Überblick
Für das vollwertige Abitur, also die allgemeine Hochschulreife, gibt es im zweiten Bildungsweg mehrere Routen. Sie unterscheiden sich nicht nur in Aufbau und Kosten, sondern auch deutlich in der Regeldauer. Die folgende Tabelle zeigt die übliche Spanne. Sie ist als Orientierung gedacht, nicht als Versprechen - im Einzelfall kann es schneller oder langsamer gehen.
| Weg | Form | Regeldauer | Abschluss |
|---|---|---|---|
| Abendgymnasium | berufsbegleitend, abends | ca. 3 Jahre | allgemeines Abitur |
| Kolleg | Vollzeit, tagsüber | ca. 3 Jahre | allgemeines Abitur |
| Fernabitur | Fernlernen, frei einteilbar | 30-42 Monate | allgemeines Abitur |
| Externenprüfung | Selbststudium, nur Prüfung | individuell, oft 1,5-3 Jahre Vorbereitung | allgemeines Abitur |
| Fachhochschulreife | verschieden | 1-2 Jahre | Fachabitur (FH-Studium) |
Auffällig ist die Lücke zwischen der Fachhochschulreife und dem vollen Abitur. Wer nur an Fachhochschulen studieren möchte, kommt mit ein bis zwei Jahren ans Ziel. Das allgemeine Abitur, das den Zugang zu allen Studiengängen an Universitäten öffnet, kostet dagegen rund drei Jahre - schon weil ein höheres Niveau und eine zweite Fremdsprache verlangt werden.
Warum drei Jahre so oft die Regel sind
Die rund drei Jahre an Abendgymnasium und Kolleg kommen nicht zufällig zustande. Der Bildungsgang gliedert sich meist in eine Einführungs- oder Vorphase und die anschließende Qualifikationsphase, in der die Noten für das Abiturzeugnis gesammelt werden. Diese Struktur ist in den Schulgesetzen der Länder festgelegt und lässt sich nicht beliebig stauchen.
Beim Fernabitur ist die Logik eine andere. Hier gibt es keinen festen Klassenverband, sondern Lernhefte und Online-Module, die Sie in Ihrem Tempo bearbeiten. Die genannten 30 bis 42 Monate sind kalkuliert für etwa zehn bis fünfzehn Lernstunden pro Woche. Wer mehr investiert, wird früher fertig; wer beruflich oder familiär stark eingespannt ist, braucht länger - und genau dafür sind diese Kurse gemacht.
Wovon Ihre persönliche Dauer wirklich abhängt
Zwei Menschen können denselben Weg wählen und trotzdem ein Jahr auseinanderliegen. Das hat handfeste Gründe.
Ihr Ausgangsniveau
Wer einen mittleren Schulabschluss mit ordentlichen Noten mitbringt, startet auf einem anderen Niveau als jemand, der nur den Hauptschulabschluss hat oder lange aus dem Lernen heraus ist. Manche Schulen verlangen vor der eigentlichen Oberstufe eine Vorklasse oder einen Vorkurs, besonders wenn der mittlere Abschluss fehlt. Das kann ein halbes bis ganzes Jahr zusätzlich bedeuten. Bei einem Abitur ohne Realschulabschluss ist eine solche Vorstufe fast immer Teil des Plans.
Die zweite Fremdsprache
Für das allgemeine Abitur brauchen Sie in der Regel eine zweite Fremdsprache über mehrere Jahre. Wer in der Schule nie Französisch, Spanisch oder Latein hatte, muss diese nachholen - und das ist oft der Faktor, der die Dauer in die Höhe treibt. An vielen Abendgymnasien beginnt die zweite Fremdsprache früh, damit am Ende die nötige Belegdauer erreicht ist. Fehlt sie ganz, bleibt unter Umständen nur die Fachhochschulreife, für die keine zweite Fremdsprache verlangt wird.
Ihr Lernpensum pro Woche
Beim Fernabitur und bei der Externenprüfung entscheidet vor allem, wie viel Zeit Sie regelmäßig einsetzen. Realistisch sind beim Fernlernen acht bis fünfzehn Stunden Woche für Woche. Wer das über Monate durchhält, bleibt im Zeitplan. Wer immer wieder pausiert, verlängert automatisch - das ist kein Drama, kostet aber Zeit.
Der Mythos vom Abitur in einem Jahr
Es gibt viele Angebote, die mit kurzen Zeiträumen werben. Bei genauem Hinsehen meinen sie fast nie das volle Abitur von Grund auf. Ehrlich gesagt: Das allgemeine Abitur ohne jede Vorleistung in einem einzigen Jahr nachzuholen, ist nicht möglich. Der Stoff der gymnasialen Oberstufe ist dafür schlicht zu umfangreich, und die Schulgesetze schreiben Mindestbelegzeiten für Fächer und Kurse vor.
Wenn von einem Jahr die Rede ist, steckt meist eines davon dahinter: Es geht um die Fachhochschulreife statt um das Abitur, oder es werden bereits vorhandene Schulleistungen angerechnet, oder es ist ein reiner Prüfungsvorbereitungskurs für Leute gemeint, die den Stoff im Grunde schon können. Seriös ist die Sache nur, wenn dazugesagt wird, welche Voraussetzungen Sie mitbringen müssen. Wo das fehlt, lohnt ein zweiter Blick.
In zwei Jahren ist mehr drin als in einem, aber auch hier gilt: Das setzt eine solide Ausgangsbasis voraus. Mit einem guten mittleren Abschluss, vorhandener zweiter Fremdsprache und genügend Lernzeit ist ein verkürzter Weg machbar. Von null auf Abitur in 24 Monaten bleibt dagegen die Ausnahme.
So lässt sich die Dauer verkürzen
Es gibt durchaus legitime Wege, schneller ans Ziel zu kommen - sie hängen alle davon ab, was Sie schon vorweisen können.
Der häufigste ist die Fachhochschulreife als Zwischenschritt. An vielen Abendgymnasien und Kollegs erhalten Sie nach erfolgreichem Abschluss der Einführungsphase und einem berufsbezogenen Praxisanteil bereits die Fachhochschulreife - also nach etwa zwei Jahren ein verwertbares Zeugnis, mit dem Sie an einer FH studieren können. Wer dann noch das volle Abitur will, hängt die Qualifikationsphase an. Wer mit der FH zufrieden ist, hört früher auf.
Daneben zählt die Anrechnung von Vorleistungen. Frühere Oberstufenbesuche, abgebrochene Schullaufbahnen oder bestimmte berufliche Qualifikationen können je nach Bundesland und Schule angerechnet werden, sodass Sie nicht ganz von vorn beginnen. Das prüft die jeweilige Schule individuell - ein Gespräch im Sekretariat oder mit der Beratungslehrkraft lohnt sich vor der Anmeldung.
Die Externenprüfung, auch Nichtschülerprüfung genannt, ist theoretisch der schnellste Weg, wenn Sie den Stoff selbstständig beherrschen. Sie besuchen keine Schule, sondern melden sich rund ein halbes Jahr vorher bei der Schulbehörde Ihres Landes zur Prüfung an. Die Vorbereitung dauert so lange, wie Sie eben brauchen - das verlangt aber sehr viel Disziplin und ist ohne Kurs riskant.
Berufsbegleitend oder Vollzeit - was dauert länger?
Eine verbreitete Annahme lautet, dass Vollzeit am Kolleg schneller geht als der berufsbegleitende Abendweg. In der Regeldauer stimmt das kaum: Beide liegen bei rund drei Jahren. Der Unterschied liegt in der Belastung, nicht in der Gesamtzeit. Am Kolleg lernen Sie tagsüber in Vollzeit und können oft nicht nebenher arbeiten, was die Frage nach Förderung wichtig macht. Am Abendgymnasium behalten Sie Ihren Job, opfern dafür aber Abende und einen Teil des Wochenendes über drei Jahre hinweg.
Das Fernabitur ist beim Tempo am flexibelsten, weil es keine festen Unterrichtszeiten gibt. Genau das ist Vorteil und Falle zugleich: Ohne den äußeren Takt eines Stundenplans hängt alles an der eigenen Konsequenz. Wer sich gut selbst organisiert, ist hier am schnellsten; wer Struktur von außen braucht, ist mit einer Schule besser bedient.
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Was passiert, wenn ich länger brauche?
Längere Lernzeiten sind im zweiten Bildungsweg eher die Norm als die Ausnahme - kaum jemand bringt das exakt im Lehrplantempo durch, wenn nebenher Beruf und Familie laufen. An staatlichen Schulen ist das Wiederholen einzelner Halbjahre oder das Strecken der Oberstufe in gewissen Grenzen möglich. Bei Fernschulen ist es noch einfacher: Die meisten verlängern die Betreuung nach Ablauf der regulären Laufzeit kostenfrei, oft um sechs bis zwölf Monate. Achten Sie bei der Wahl darauf, wie diese Verlängerung im Vertrag geregelt ist - das ist beim Fernabitur ein echtes Qualitätsmerkmal.
Wichtig ist, das Tempo nicht mit dem Erfolg zu verwechseln. Ob Sie 30 oder 42 Monate brauchen, steht später in keinem Zeugnis. Das Abiturzeugnis sieht gleich aus, egal wie lang der Weg dorthin war.
Realistisch planen statt schnell scheitern
Bevor Sie sich auf eine Zahl festlegen, lohnt ein nüchterner Blick auf die eigene Lage: Wie viel Zeit bleibt neben Job und Verpflichtungen wirklich übrig? Wie lange ist die Schulzeit her? Ist eine zweite Fremdsprache vorhanden? Aus diesen Antworten ergibt sich Ihre persönliche Dauer weit zuverlässiger als aus jedem Werbeversprechen. Wer die Voraussetzungen und die Kosten früh klärt und sein Wochenpensum ehrlich kalkuliert, kommt am Ende oft schneller an als jemand, der sich überschätzt und nach einem Jahr aufgibt.
Einen Überblick über alle Wege finden Sie auf der Seite Abitur nachholen. Konkrete Hinweise zur Vorbereitung und Anlaufstellen liefern die Tipps und Links.