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Abitur ohne Realschulabschluss nachholen
Kein mittlerer Abschluss, aber das Abitur als Ziel - das klingt erstmal nach einem weiten Weg. Er ist machbar, nur selten in einem Schritt. Wer die Hürden kennt, kann sich den passenden Einstieg aussuchen und spart sich Umwege.

Geht das Abitur wirklich ohne Realschulabschluss?
Ja, aber die Frage ist, über welche Tür. Das deutsche Schulsystem ist durchlässig: Ein fehlender mittlerer Abschluss schließt niemanden dauerhaft vom Abitur aus. Allerdings verlangen die meisten staatlichen Wege - also Abendgymnasium und Kolleg - beim Start einen mittleren Schulabschluss oder einen gleichwertigen Nachweis. Mit reinem Hauptschulabschluss kommen Sie dort in der Regel nicht direkt hinein.
Das heißt nicht, dass der Weg versperrt ist. Es bedeutet nur, dass Sie entweder eine Zwischenstufe einbauen oder einen Anbieter wählen, der weniger strenge Aufnahmeregeln hat. Beides funktioniert. Wichtig ist, ehrlich mit dem zeitlichen Aufwand umzugehen: Das volle Abitur baut auf Wissen auf, das normalerweise über zehn bis dreizehn Schuljahre aufgebaut wird. Diese Grundlage holt niemand in wenigen Monaten nach.
Der klassische Weg: erst mittlerer Abschluss, dann Abitur
Die solideste Variante ist, zuerst den mittleren Schulabschluss nachzuholen und danach auf einer regulären Schule des zweiten Bildungswegs weiterzumachen. Der mittlere Abschluss lässt sich an einer Abendrealschule, über eine Volkshochschule oder als Nichtschülerprüfung erwerben. Danach steht Ihnen der normale Pfad offen.
Der Vorteil dieses Vorgehens: Sie schließen Lücken in Mathe, Deutsch und den Sprachen, bevor es richtig anspruchsvoll wird. Wer direkt ins Abitur springt und diese Basis nicht hat, scheitert oft nicht am Abitur selbst, sondern an Stoff, der eigentlich aus der Mittelstufe stammt. Der Nachteil ist die zusätzliche Zeit. Den mittleren Abschluss nachzuholen dauert je nach Form ein bis zwei Jahre, das Abitur danach noch einmal rund drei Jahre.
Der kürzere Umweg über die Fachhochschulreife
Oft unterschätzt wird die Fachhochschulreife als Zwischenstation. Sie ist leichter und schneller zu erreichen als das vollwertige Abitur und öffnet bereits den Weg an Fachhochschulen. Für viele, die eigentlich studieren wollen, reicht sie sogar völlig aus - was am Ende studiert werden soll, entscheidet darüber, ob das volle Abitur überhaupt nötig ist.
Die Fachhochschulreife besteht aus einem schulischen und einem berufsbezogenen Teil. Wer eine abgeschlossene Berufsausbildung hat, bringt den praktischen Teil oft schon mit und muss nur noch den schulischen Teil nachholen. Das geht teils in ein bis zwei Jahren. Wer sie hat, kann später aufstocken: Die fachgebundene oder allgemeine Hochschulreife lässt sich darauf aufbauen, etwa über eine weitere Fremdsprache und Zusatzprüfungen. Mehr dazu, was die Fachhochschulreife wert ist und welche Studiengänge damit offenstehen, lohnt sich vor der Entscheidung.
Direkt ins Fernabitur - auch ohne mittleren Abschluss
Der vielleicht praktischste Weg für Menschen ohne Realschulabschluss führt über die Fernschulen. Viele Anbieter des Fernabiturs nehmen Teilnehmer ausdrücklich auch ohne mittleren Schulabschluss auf. Sie schalten dann ein oder zwei Vorbereitungsmodule vor, in denen der Mittelstufenstoff aufgefrischt wird, und führen anschließend zur Abiturprüfung.
Das hat einen handfesten Vorteil: Sie sparen sich den formalen Zwischenschritt und lernen ortsunabhängig im eigenen Tempo. Gerade neben Job oder Familie ist das oft der einzige realistische Rahmen. Die Prüfung selbst ist eine staatliche Nichtschülerprüfung, das Abitur ist also vollwertig und bundesweit anerkannt. Die Fernschule bereitet nur darauf vor.
Ehrlich bleiben muss man trotzdem: Ohne mittleren Abschluss ist der Lernweg länger, weil die Vorbereitungsmodule dazukommen. Statt der üblichen 30 bis 42 Monate sollten Sie eher mit der oberen Hälfte dieser Spanne rechnen, je nach Vorkenntnissen auch etwas mehr. Wie sich die Zeit genau zusammensetzt, ist unter Dauer aufgeschlüsselt.
Drei anerkannte Fernschulen im Überblick
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SGD Studiengemeinschaft Darmstadt
Staatlich zugelassen (ZFU) · seit 1948
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Fernakademie für Erwachsenenbildung
Staatlich zugelassen (ZFU) · Klett-Gruppe
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- 4 Wochen kostenloses Probestudium
- Klett-Gruppe · ZFU-zertifiziert

ILS Institut für Lernsysteme
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Was kostet der Weg ohne Realschulabschluss?
Hier hängt viel vom gewählten Weg ab. Die staatlichen Schulen - Abendgymnasium und Kolleg - sind in der Regel schulgeldfrei. Nur Material, Fahrten und Prüfungsgebühren kommen auf Sie zu. Wenn Sie zuerst den mittleren Abschluss an einer Volkshochschule nachholen, fallen dort meist überschaubare Kursgebühren an.
Beim Fernabitur ist es anders. Hier zahlen Sie ein monatliches Lehrgangsentgelt, über die gesamte Laufzeit kommen meist zwischen rund 2.400 und 4.800 Euro zusammen. Wenn Vorbereitungsmodule wegen des fehlenden mittleren Abschlusses dazukommen, kann es etwas mehr werden, weil sich die Laufzeit verlängert. Eine genaue Aufstellung der einzelnen Posten finden Sie unter Kosten.
| Weg | Voraussetzung beim Start | Ungefähre Dauer | Kosten |
|---|---|---|---|
| Erst mittlerer Abschluss, dann Abendgymnasium/Kolleg | Hauptschulabschluss reicht zum Einstieg | 4-5 Jahre gesamt | meist gebührenfrei (staatlich) |
| Über Fachhochschulreife | oft mit Ausbildung kombinierbar | 1-2 Jahre, später aufstockbar | gering bis mittel |
| Fernabitur direkt | häufig ohne mittleren Abschluss möglich | ca. 36-48 Monate | ca. 2.400-4.800 € |
Förderung: Sie müssen das nicht allein stemmen
Geld ist für viele der eigentliche Knackpunkt, vor allem beim Fernabitur. Es gibt aber mehrere Töpfe. Beim zweiten Bildungsweg wird das Schüler-BAföG häufig elternunabhängig gezahlt, das ist ein wichtiger Unterschied zur normalen Schulzeit. Wer eine berufliche Aufstiegsperspektive verfolgt, kann das Aufstiegs-BAföG prüfen. Und wenn der Abschluss Ihre Chancen am Arbeitsmarkt verbessert, ist unter Umständen ein Bildungsgutschein der Agentur für Arbeit drin, der die Lehrgangskosten ganz oder teilweise übernimmt.
Was es nicht gibt, ist ein vollwertiges, kostenloses Online-Abitur eines privaten Anbieters. Wo mit so etwas geworben wird, lohnt der zweite Blick. Kostenfrei sind die staatlichen Wege - die kosten dann eben mehr Zeit und Präsenz. Welche Förderung zu welchem Weg passt, steht ausführlicher unter BAföG und Förderung.
Welche Voraussetzungen kommen sonst noch auf Sie zu?
Über den Schulabschluss hinaus gibt es ein paar Punkte, die je nach Bundesland und Weg eine Rolle spielen. Für die staatlichen Schulen wird meist ein Mindestalter von 18 oder 19 Jahren erwartet, oft kombiniert mit einer abgeschlossenen Berufsausbildung oder einer gewissen Zeit der Berufstätigkeit. Die genauen Regeln unterscheiden sich von Land zu Land deutlich.
Ein Punkt, der viele überrascht: Für das allgemeine Abitur brauchen Sie in der Regel eine zweite Fremdsprache. Wer in der Schule nur Englisch hatte, muss also noch eine weitere Sprache belegen und nachweisen. Beim Fachabitur ist das oft nicht nötig - ein weiterer Grund, warum der Weg über die Fachhochschulreife für manche der entspanntere ist. Die genauen Bedingungen je nach Bundesland sollten Sie vor der Anmeldung bei der jeweiligen Schule oder Behörde abklären.
Externenprüfung als Variante für Selbstlerner
Wer sich Stoff gut selbst beibringen kann, kann das Abitur auch über die Externenprüfung (Nichtschülerprüfung) ablegen, ganz ohne festen Schulbesuch. Die Anmeldung läuft etwa ein halbes Jahr vorher bei der zuständigen Schulbehörde des Landes. Diese Variante ist günstig, aber anspruchsvoll, weil Sie sich Struktur und Disziplin komplett selbst geben müssen.
Ohne mittleren Abschluss ist das die härteste Schule, weil niemand die Grundlagen mit Ihnen aufbaut. Für die meisten ist deshalb eine begleitete Form sinnvoller - sei es eine Fernschule, die gezielt auf genau diese Prüfung vorbereitet, oder eine Präsenzschule. Wie die Externenprüfung im Detail abläuft, ist unter dem entsprechenden Stichwort beschrieben.
Mythen, die sich hartnäckig halten
Rund um das Abitur ohne Realschulabschluss kursieren ein paar Halbwahrheiten. Die häufigste: Man könne das Abitur in einem Jahr nachholen. Für das volle Abitur ohne Vorkenntnisse ist das nicht realistisch. Schneller geht es nur mit echten Vorleistungen oder über den Umweg der Fachhochschulreife, die eben kein vollwertiges Abitur ist.
Ein zweiter Irrtum: Das Fernabitur sei weniger wert als ein normales. Das stimmt nicht. Die Prüfung ist eine staatliche Prüfung, der Abschluss ist die allgemeine Hochschulreife und damit identisch mit dem Abitur einer Präsenzschule. Wo der Unterschied liegt, ist der Weg dorthin, nicht das Ergebnis. Und drittens: Mit Hauptschulabschluss sei sowieso alles zu, das wäre falsch - genau dafür gibt es die hier beschriebenen Routen.
Welcher Weg passt zu Ihnen?
Wenn Sie viel Zeit haben und gern in einer Gruppe lernen, sind Abendgymnasium oder Kolleg gute Optionen - dann holen Sie vorher den mittleren Abschluss nach. Wenn Sie berufstätig sind oder Familie haben und ortsunabhängig lernen müssen, ist das direkte Fernabitur meist der praktischste Einstieg, auch ohne mittleren Abschluss. Und wenn Sie eigentlich nur an eine Fachhochschule wollen, sparen Sie sich vielleicht den ganzen Aufwand und gehen über die Fachhochschulreife.
Es lohnt sich, vorab das eigene Studienziel zu klären, bevor Sie sich für einen Weg entscheiden. Einen Überblick über alle Wege des zweiten Bildungswegs bietet die Seite Zweiter Bildungsweg. Lassen Sie sich nicht von der Länge des Weges abschrecken: Wer mit einem realistischen Plan startet und sich nicht übernimmt, kommt auch ohne mittleren Abschluss ans Ziel. Entscheidend ist weniger der Startpunkt als die Frage, ob Form, Tempo und Kosten zu Ihrem Alltag passen.