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Begabtenabitur: Hochschulreife über die Begabtenprüfung
Das Begabtenabitur, korrekt die Begabtenprüfung, ist ein selten genutzter Sonderweg zur Hochschulreife. Es richtet sich an berufserfahrene Menschen, die ohne den klassischen Schulbesuch eine besondere fachliche Befähigung nachweisen können. Wer diesen Weg in Betracht zieht, sollte die Voraussetzungen und Grenzen kennen, denn die Begabtenprüfung ist anspruchsvoll und ersetzt nur in bestimmten Fällen das reguläre Abitur.

Was die Begabtenprüfung eigentlich ist
Die Begabtenprüfung ist eine staatliche Eignungsprüfung, mit der besonders befähigte Berufstätige einen Hochschulzugang erwerben können, ohne vorher eine Schule des zweiten Bildungswegs besucht zu haben. Sie geht auf eine alte Tradition zurück und wird in den Bundesländern unterschiedlich gehandhabt. Je nach Land und Ergebnis führt sie entweder zu einer fachgebundenen Hochschulreife oder zur allgemeinen Hochschulreife für ein bestimmtes Studienfach.
Der Begriff Begabtenabitur ist dabei umgangssprachlich. Im Kern geht es nicht darum, Schulstoff in Kursen nachzuholen, sondern in einer Prüfung zu zeigen, dass man das geistige Niveau eines Abiturienten bereits erreicht hat - erworben durch Beruf, Weiterbildung und Selbststudium. Genau das macht den Weg so eng: Er ist für eine kleine Gruppe gedacht, nicht für die breite Masse der Nachholer.
Wer dafür in Frage kommt
Die Bedingungen variieren von Bundesland zu Bundesland, aber einige Merkmale tauchen fast überall auf. In der Regel müssen Sie ein Mindestalter erreicht haben, häufig um die 25 Jahre, und eine mehrjährige Berufstätigkeit nachweisen. Verlangt wird zudem, dass kein gewöhnlicher Weg zum Abitur offensteht oder zumutbar ist - die Prüfung versteht sich als Ausnahme für Menschen mit ungewöhnlichem Werdegang.
Entscheidend ist der Nachweis einer besonderen Befähigung. Dazu zählen berufliche Erfolge, fachliche Veröffentlichungen, verantwortungsvolle Tätigkeiten oder anerkannte Weiterbildungen. Oft wird eine Empfehlung oder ein Gutachten erwartet, etwa von Arbeitgebern, Fachverbänden oder Bildungseinrichtungen. Wer lediglich einen Schulabschluss nachträglich möchte, ist hier meist falsch - dafür gibt es passendere und planbarere Wege.
Wie die Prüfung abläuft
Der genaue Ablauf richtet sich nach der jeweiligen Landesverordnung, folgt aber einem ähnlichen Muster. Zunächst stellen Sie bei der zuständigen Schulbehörde einen Antrag mit Lebenslauf, Zeugnissen, Tätigkeitsnachweisen und der Begründung Ihrer Eignung. Wird der Antrag angenommen, folgt die eigentliche Prüfung, die schriftliche und mündliche Teile umfasst.
Geprüft werden meist allgemeinbildende Fächer wie Deutsch, eine Fremdsprache, Mathematik sowie Fächer aus dem gewählten fachlichen Schwerpunkt. Der Umfang entspricht dem Niveau der gymnasialen Oberstufe. Eine Besonderheit: In vielen Ländern darf die Begabtenprüfung nur einmal oder höchstens zweimal wiederholt werden. Eine gründliche Vorbereitung über Monate, oft über ein Jahr, ist daher unerlässlich. Welche Bedingungen die Länder allgemein an den Hochschulzugang stellen, ordnet die Seite Voraussetzungen ein.
Welcher Abschluss dabei herauskommt
Das Ergebnis ist nicht in jedem Fall ein vollwertiges allgemeines Abitur. Häufig erhalten Sie eine fachgebundene Hochschulreife, die zum Studium bestimmter Fächer berechtigt, die zu Ihrer nachgewiesenen Befähigung passen. In manchen Konstellationen ist auch ein breiterer Zugang möglich. Das sollten Sie vor dem Antrag mit der Behörde und der Wunschhochschule klären, damit das Ergebnis am Ende zum geplanten Studium passt.
Im Unterschied dazu öffnet das allgemeine Abitur alle Studiengänge an allen Universitäten. Die Fachhochschulreife wiederum berechtigt zum Studium an Fachhochschulen. Die Begabtenprüfung liegt quer zu diesen Kategorien und ist in ihrer Reichweite oft enger zugeschnitten, als viele zunächst annehmen.
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Abgrenzung zu Abendgymnasium, Kolleg und Fernabitur
Für die allermeisten Erwachsenen sind die etablierten Wege des zweiten Bildungswegs die bessere Wahl, weil sie planbar, gefördert und klar geregelt sind. Die folgende Übersicht ordnet das Begabtenabitur in dieses Feld ein.
| Weg | Form | Abschluss | Geeignet für |
|---|---|---|---|
| Begabtenprüfung | Einzelprüfung ohne Kursbesuch | meist fachgebundene Hochschulreife | berufserfahrene Sonderfälle |
| Abendgymnasium | Abendunterricht neben dem Beruf | allgemeines Abitur | Berufstätige mit Ausdauer |
| Kolleg | Tagesunterricht in Vollzeit | allgemeines Abitur | wer sich ganz aufs Lernen konzentriert |
| Fernabitur | ortsunabhängiges Fernstudium | allgemeines Abitur / FHR | flexible Selbstlerner |
Das Abendgymnasium und das Kolleg führen über regulären Unterricht zum vollwertigen Abitur. Das Fernabitur bietet eine ortsunabhängige Alternative und führt in der Regel zur allgemeinen Hochschulreife oder zur Fachhochschulreife - Letztere dann nicht fachrichtungsgebunden. Diese Wege haben gegenüber der Begabtenprüfung den Vorteil, dass Sie Stoff strukturiert erarbeiten, statt eine fertige Befähigung nachweisen zu müssen.
Kosten und Förderung
Die Begabtenprüfung selbst verursacht meist nur überschaubare Gebühren, da kein Unterricht bezahlt wird. Der eigentliche Aufwand steckt in der Vorbereitung, die viele über Selbststudium, Kurse oder eine Fernschule leisten. Ein Fernlehrgang kostet je nach Anbieter und Dauer typischerweise zwischen 2.400 und 4.800 Euro. Staatliche Schulen wie FOS, BOS, Abendgymnasium oder Kolleg sind dagegen schulgeldfrei.
Für die anerkannten Wege des zweiten Bildungswegs kommen je nach Situation Schüler-BAföG oder ein Bildungsgutschein in Betracht. Für die reine Begabtenprüfung greifen solche Förderungen nicht automatisch, weil sie an einen Schul- oder Lehrgangsbesuch gebunden sind. Einen Überblick über Gebühren und laufende Ausgaben gibt die Seite Kosten.
Lohnt sich der Weg für Sie?
Die Begabtenprüfung ist ein ehrlicher Nischenweg. Sie passt für Menschen mit einem außergewöhnlichen beruflichen Profil, die nachweisbar auf Abiturniveau denken und arbeiten, aber keinen klassischen Schulweg gehen wollen oder können. Für alle anderen - und das ist die große Mehrheit - sind Abendgymnasium, Kolleg oder das Fernabitur der verlässlichere Weg zum Ziel.
Bevor Sie sich festlegen, lohnt der Blick auf das Gesamtbild: Welcher Abschluss bringt Sie zu Ihrem Wunschstudium, und welcher Weg passt zu Ihrer Lebenssituation? Klären Sie offene Fragen am besten direkt mit der Schulbehörde Ihres Bundeslandes, denn die Regeln zur Begabtenprüfung unterscheiden sich von Land zu Land deutlich.