Fachabitur nachholen

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Die Fachhochschulreife, auch „kleines Abitur“, ist ein allgemeinbildender Schulabschluss und neben der fachgebundenen Hochschulreife und dem Abitur eine der drei Formen für den Hochschulzugang.

FachabiturnachholenDer Begriff des Fachabiturs wird oft synonym sowohl für die Fachhochschulreife als auch die fachgebundene Hochschulreife verwendet, der Unterschied ist dennoch erheblich. Während Sie mit der Fachhochschulreife die Studierfähigkeit für ein bundesweites Studium jedes Fachs an Fachhochschulen oder Berufsakademien erwerben, können Sie mit der fachgebundenen Hochschulreife bestimmte Fächer bzw. Fachrichtungen an Universitäten studieren.

Das Fachabitur befähigt neben dem Erwerb einer vertieften Allgemeinbildung, erweiterten fachtheoretischen Kenntnissen, fachpraktischen Fertigkeiten und umfassenden Handlungskompetenzen zum eigenständigen wissenschaftlichen Arbeiten.

Wege zur Fachhochschulreife

Die Fachhochschulreife können Bewerber an bestimmten beruflichen Schulen sowie den schulischen Teil auch an höheren Schulen mit Oberstufe erwerben.

Die gängigsten Wege zum Fachabitur führen über

  • den Abschluss der 12. Klasse der Fachoberschule,
  • den Abschluss einer Höheren Handelsschule mit Berufsausbildung oder einem zusätzlichen halb- oder einjährigem Praktikum,
  • eine Ergänzungsprüfung in Verbindung mit der staatlichen Abschlussprüfung an einer Fachschule,
  • Berufsfachschulen (z. B. in Verbindung mit Assistenten-Ausbildungen) und beruflichen Gymnasien unter bestimmten Voraussetzungen,
  • den Abschluss von Fachhochschulreife Bildungsgängen an Abendgymnasien, Kollegs (auch Telekollegs) und Fernschulen.

Die Fachhochschulreife besteht aus einem schulischen und berufsbezogenen bzw. praktischen Teil, wobei es unerheblich ist, welchen der beiden Teile Sie zuerst absolvieren.

Fachrichtungen im Fachabitur

Das Fachabitur verknüpft Theorie mit beruflicher Praxis und erleichtert Ihnen durch das breite Spektrum an möglichen Fachrichtungen wie

die individuelle Berufswahl. Zudem eignen Sie sich im Fachabitur das nötige Rüstzeug für den Einstieg in den Arbeitsmarkt oder ein weiterführendes Studium an.

Auch in Schwerpunkten wie Informatik, Gesundheit, Sozialpädagogik, Design, Tourismus oder Polizeivollzugsdienst ist in einigen Bundesländern der Erwerb der Fachhochschulreife möglich.

Die Wahl der Fachrichtung hängt von Ihren individuellen Berufswünschen und Karrierezielen ab. So bereiten Sie sich etwa mit der Fachhochschulreife Gesundheit optimal auf eine weiterführende Qualifikation im Sozialwesen vor.

Nichtsdestotrotz können Sie unabhängig von der gewählten Fachrichtung im Fachabitur bundesweit alle Studiengänge an Fachhochschulen und Berufsakademien belegen.

Allgemeine Voraussetzungen für das Fachabi (nachholen)

Das Fachabitur wird an Fach- oder Berufsoberschulen (FOS / BOS) oder Berufskollegs meist in den Organisationsformen A (2 Jahre) und B (1 Jahr) angeboten, für die nachfolgende Zugangsvoraussetzungen gelten:

  • Einstieg in 11. Klasse (Form A):
    Realschulabschluss bzw. Sekundarabschluss 1 oder ein anderer gleichwertiger Bildungsstand
  • Einstieg in 12. Klasse (Form B):
    Realschulabschluss bzw. Sekundarabschluss 1 und eine abgeschlossene, mindestens zweijährige einschlägige Berufsausbildung.

Insbesondere bei Berufskollegs erfolgt die Aufnahme häufig vorerst ein Schulhalbjahr auf Probe.

Beim Nachholen des Fachabiturs über Fernschulen, Abendgymnasien und Kollegs (auch Telekollegs) ist für die  Zulassung zur staatlichen Fachhochschulreifeprüfung eine abgeschlossene einschlägige Berufsausbildung oder eine mehrjährige berufliche Tätigkeit in einem anerkannten einschlägigen Ausbildungsberuf erforderlich.

TIPP! Bewerber, die bereits eine Prüfung zum Erwerb der Fachhochschulreife wiederholt nicht bestanden haben, werden für Fachabitur Bildungsgänge nicht aufgenommen.

Dauer des Fachabiturs

Der Erwerb der Fachhochschulreife dauert in Abhängigkeit von der Organisationsform des Bildungsgangs zwischen zwei und maximal vier Jahren. Auch Teilzeitmodelle sind möglich.

Lerninhalte beim Fachabitur

Der Lernstoff im Fachabitur setzt sich zusammen aus

  • allgemeinbildenden bzw. berufsübergreifenden Fächern wie Deutsch, Mathematik, Geschichte / Gemeinschafts- oder Sozialkunde,  Englisch, Chemie, Physik oder Biologie, Wirtschaft / Politik, Philosophie, Religion oder Ethik,  Sport / Gesundheitsförderung
  • berufsbezogenen Fächern entsprechend der gewählten Fachrichtung wie Volks- und Betriebswirtschaftslehre, Informatik, Pädagogik, Erziehungswissenschaften, Gesundheitswissenschaften, Rechtskunde, Agrar- und Umwelttechnologie, Agrartechnik oder Gestaltungslehre

Bei der Fachhochschulreife benötigen Sie im Vergleich zum allgemeinen Abitur nur Kenntnisse in einer Fremdsprache, in der Regel Englisch, die Sie im Bildungsgang festigen und erweitern, um die Prüfungsanforderungen sicher zu bewältigen.

Praktikum im Fachabitur

Für die allgemeinen Fachhochschulreife ist ein fachbezogenes Praktikum notwendig, wenn Sie keine abgeschlossene Berufsausbildung oder mehrjährige Berufserfahrung nachweisen können.

sozialpaedagogik-29 / Fachabitur nachholenPraktika sollen die Fachabiturienten bei ihrer Berufswahl unterstützen, auf das Erwerbsleben vorbereiten oder zur Studienorientierung beitragen, aber auch grundlegende Kenntnisse und Erfahrungen zur Struktur und Funktionsweise betrieblicher Organisationen vermitteln, Einblicke in Geschäftsprozesse und Sozialstrukturen ermöglichen oder die Beurteilung unternehmerischer Entscheidungen erleichtern.

Das Finden eines geeigneten Praktikumsplatzes inklusive Praktikantenvertrag ist Aufgabe der Schüler. Als Einsatzort eignen sich insbesondere anerkannte Ausbildungsbetriebe sowie Einrichtungen oder Behörden mit Berechtigung zur Ausbildung in anerkannten Berufen. Auch Auslandspraktika sind möglich, sofern sie den inhaltlichen und zeitlichen Anforderungen gerecht werden.

Das Praktikum dauert ein Jahr und wird in der Regel geblockt in Vollzeit absolviert, wobei die Arbeitszeit, der Urlaubsanspruch und die Vergütung von den gesetzlichen und tariflichen Bestimmungen bestimmt werden.

Aus rechtlicher Sicht bleiben die Fachabiturienten während des Praktikums zwar Schüler ihrer Schule, unterliegen aber dem Weisungsrecht des Ausbildungsbetriebes. Ausnahmen kann es bei Praktika vor oder nach dem Bildungsgang sowie in den Ferien geben.

Zu den integralen Bestandteilen des Praktikums zählen die Informations- und Kommunikationstechnologie, Maßnahmen des Arbeitsschutzes und die fachlichen Schwerpunkte der gewählten Fachrichtung. In der Regel erstellen die Praktikanten über die Praktika Berichte.

Am Praktikumsende bestätigt die Praktikumsstelle die ordnungsgemäße Durchführung des Praktikums, die die Praktikanten der Schule vorlegen.

Prüfungen und Abschluss beim Fachabitur

Der Fachabitur Bildungsgang schließt mit schriftlichen Prüfungen in den Fächern Deutsch, Mathematik und Englisch bzw. Pflichtfremdsprache sowie einem fachrichtungsbezogenen Fach ab. Ggf. kann anstelle der schriftlichen Prüfung im fachrichtungsbezogenen Fach eine schriftliche Facharbeit mit abschließender Präsentation im Kolloquium erstellt werden.

Die mündliche Prüfung erfolgt (mit Ausnahme von Religion) in mindestens einem Pflichtfach und nach den Bestimmungen der Bundesländer.

Zur Fachabitur Prüfung werden Schüler mit der Vornote „ausreichend“ in allen Fächern oder mit der Vornote „mangelhaft“ in nicht mehr als zwei Fächern zugelassen. Folgerichtig gilt für Schüler ohne Zulassung die Prüfung als „nicht bestanden“.

Beim Fachabitur über Fernschulen erhalten Sie ein Zeugnis, das Ihnen die ordnungsgemäße Vorbereitung auf die Nichtschülerprüfung bescheinigt. Nach erfolgreicher Externen-Prüfung erwerben Sie das staatliche Zeugnis der allgemeinen Fachhochschulreife .

Fachabitur nachholen im Fernstudium

Sie können die allgemeine Fachhochschulreife in den Fachrichtungen Wirtschaft und Verwaltung, Technik (Elektrotechnik, Maschinenbau) und Gesundheit berufsbegleitend von zuhause aus nachholen. Aufbauend auf Ihre schulische Vorqualifikation erwerben Sie mit verschiedenen Einstiegsstufen flexibel das Fachabitur.

Fachabitur an Abendschulen nachholen

An Abendgymnasien können Sie die Fachhochschulreife in einem zweijährigen berufsbegleitenden Bildungsgang nachholen. Der Unterricht findet vorrangig am Abend, ggf. aber auch vormittags statt.

Volkshochschulen bieten punktuell vollständige Kurse zum Nachholen des Fachabiturs über den Zweiten Bildungsweg, bereiten aber Fachabiturienten mit Intensivkursen in Fächern wie Mathematik oder Englisch auf die Prüfungen zur Erlangung der Fachhochschulreife vor.

Fachabitur am Kolleg nachholen

Wenn Sie (vorübergehend) nicht berufstätig sind, können Sie die Fachhochschulreife an Kollegs in einem zweijährigen Vollzeit-Bildungsgang nachholen.

Förderungen und Zuschüsse für das Nachholen des Fachabiturs

Mit dem Erwerb der allgemeinen Fachhochschulreife verbessern die Fachabiturienten ihre beruflichen Entwicklungsperspektiven und können von staatlichen Zuschüssen, Förderungen oder Bildungsurlaub profitieren, wenn sie die Voraussetzungen erfüllen.

Anerkennung des Fachabiturs

Die Fachhochschulreife ist bundesweit anerkannt und mit Ausnahme von Bayern und Sachsen durch ein Abkommen der Bundesländer geregelt.

Allerdings ist es mit einem an einer staatlichen Schule erworbenen schulischen Teil der Fachhochschulreife Schülern nicht automatisch möglich, in jedem deutschen Bundesland ein Studium aufzunehmen, da sich das Anerkennungsverfahren für den berufspraktischen Teil bei den Fachhochschulen teils erheblich unterscheidet. Es empfiehlt sich daher, vorher entsprechende Informationen über die Anerkennung des schulischen und berufspraktischen Teils einzuholen.

International gesehen ist ein in Deutschland erworbenes Fachabitur nur bedingt für ein Studium im Ausland tauglich, so dass Sie sich rechtzeitig Informieren sollten, ob die deutsche Fachhochschulreife für ein Auslandsstudium als Zugangsberechtigung anerkannt wird.

Weitergehende Informationen zur Fachhochschulreife sowie zu Anerkennungsvoraussetzungen in den einzelnen Bundesländern finden Sie auf der Webpräsenz der Kultusministerkonferenz.

Perspektiven mit einem Fachabitur

Berufspraktiker mit großem Erfahrungsschatz und einem qualifizierenden Studium sind heute mehr denn je gefragt.

Mit der Fachhochschulreife in der Tasche können Sie

  • in die Qualifikationsphase z. B. von Beruflichen Gymnasien eintreten oder an Berufsoberschulen (BOS) nach einem weiteren Jahr die allgemeine Hochschulreife erwerben,
  • mit entsprechender Berufsausbildung an Berufsoberschulen die fachgebundene Hochschulreife erwerben,
  • durch den berufsorientierten Unterricht eine (weitere) Berufsausbildung anschließen oder
  • bundesweit an jeder Fachhochschule oder Berufsakademie ein Bachelor Studium in einer beliebigen Studienrichtung aufnehmen. Allerdings bestätigen Ausnahmen die Regel: In einigen Bundesländern können Sie bei einer studiengangbezogenen fachlichen Eignung auch mit der Fachhochschulreife einen Bachelor Studiengang an einer Universität beginnen.

Ein akademischer Abschluss ist oft ein berufliches Sprungbrett – entweder für den Aufstieg Ihrem bisherigen Tätigkeitsfeld oder den Zugang zu anderen attraktiven Berufen und höherwertigen Aufgaben.

Fachhochschulreife gleich fachgebundene Hochschulreife?

NEIN! Mit der fachgebundenen Hochschulreife (auch fachgebundenes Abitur) erwerben Sie ohne zweite Fremdsprache eine eingeschränkte Studienberechtigung für bestimmte, fachlich einschlägige Studiengänge an Hochschulen sowie für SP_logo16_Beachte_Pinsämtliche Studiengänge an Fachhochschulen.

Beispielsweise berechtigt die Fachgebundene Hochschulreife in der Fachrichtung Wirtschaft und Verwaltung für ein BWL Studium, nicht jedoch für Informatik.

Die fachgebundene Hochschulreife kann erworben werden

  • von Absolventen von Fachakademien, Berufskollegs, Fach- und Berufsoberschulen nach Abschluss der 13. Klasse (wie z. B. in den Fachrichtungen Technik, Wirtschaft)
  • von beruflich Qualifizierten, deren Berufsausbildung und Berufspraxis ausreichende inhaltliche Zusammenhänge mit dem angestrebten Studiengang aufweist,
  • durch ein noch nicht abgeschlossenes Studium an einer Fachhochschule (Bachelor-Studiengang bzw. Vordiplom).

Von der Fachhochschulreife zum Abitur

Wenn Sie die Fachhochschulreife erworben haben und noch das Abitur „aufsatteln“ möchten, dann können Sie mit ausreichenden Kenntnissen in einer zweiten Fremdsprache (z. B. durch vier Jahre durchgängigen Unterricht in der Sekundarstufe 1, eine bestimmte Stundenzahl in der Sekundarstufe 2 oder Externenprüfung in einer entsprechenden Sprache) in der 13. Klasse z. B. von Fach- oder Berufsoberschulen  (FOS 13, BOS 13) – also innerhalb eines Jahres – die allgemeine Hochschulreife erlangen.

Wenn Sie den schulischen Teil der Fachhochschulreife nachweisen, können Sie mit dem Einstieg in die 12. Klasse Beruflicher Gymnasien in weiteren zwei Schuljahren das Abitur erreichen.

Übrigens: Auch durch den Abschluss eines Studiums an einer staatlichen oder staatlich anerkannten Fachhochschule können Sie die allgemeine Hochschulreife erwerben. Fragt sich dann nur, wofür.

Gut zu wissen

In Baden-Württemberg können sich Bewerber mit Fachhochschulreife oder fachgebundener Hochschulreife durch die SP_logo16_Gutzuwissensogenannte Deltaprüfung für die Aufnahme eines Bachelor Studiums empfehlen, das bisher durch die bestehende Fachbindung ausgeschlossen war. Bei der Deltaprüfung handelt es sich um einen Studierfähigkeitstest ohne spezifisches Fachwissen. Prüfungsbestandteile sind Matrizen, Quantitatives Problemlösen, Sprachgefühl, Schlussfolgerungen sowie die Auswertung von Diagrammen und Tabellen.


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