Berufsausbildung mit Abitur (BmA)

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Bildungsgänge, die gleichzeitig zur allgemeinen Hochschulreife und einem Berufsabschluss führen, erhöhen nicht nur die Attraktivität beruflicher Schulen, sondern eröffnen den Berufsabiturienten auch glänzende Berufsperspektiven.

Beruf und Abitur kann in doppelqualifizierenden Bildungsgängen wiesozialpaedagogik-134 / Beruf und Abitur

  • Abitur plus Assistenten-Beruf oder
  • einer dualen Berufsausbildung mit Abitur

erworben werden, die aus den sprichwörtlichen Kinderschuhen wächst.

Nachdem in den neuen Bundesländern die Berufsausbildung mit Abitur zu den beliebtesten Bildungsformen gehörte, versuchen seit 2000 einige Bundesländer im Rahmen von Modellversuchen (z. B. Duale Berufsausbildung mit Abitur DuBAS in Sachsen, Abitur PLUS in Rheinland-Pfalz), diese Art der Ausbildung wieder zu etablieren. Berufsausbildung plus Abitur heißt, duale Ausbildungen in Betrieben und Berufsschulen um Zusatzkurse an „dualen beruflichen Gymnasien“ zu erweitern.

Bei den doppelqualifizierenden Abschlüssen Abitur plus Assistenten-Beruf erwerben die Schüler neben der allgemeinen Hochschulreife einen anerkannten Berufsabschluss nach Landesrecht. Sie absolvieren in einer vollschulischen Ausbildung neben dem theoretischen Unterricht an Berufsfachschulen und Beruflichen Gymnasien berufsqualifizierende Praktika (z. B. in Lehrkabinetten).

Vorteil beider Bildungsformen ist für die Jugendlichen zweifelsohne, dass Berufsausbildung und Abitur im Doppelpack und in einem kürzeren Zeitraum erworben werden und damit sowohl der Zugang zu Fachhochschulen bzw. Universitäten, aber auch eine weiterführende berufliche Ausbildung möglich ist. Zudem können insbesondere bei der dualen Form Unternehmen leistungsstarke Schulabgänger zielgerichteter für eine Ausbildung gewinnen und damit den Fachkräftebedarf besser abdecken.

Zielgruppe für Bildungsgänge Berufsausbildung mit Abitur

Die doppelqualifizierenden Bildungsgänge Berufsausbildung mit Abitur richten sich insbesondere an leistungsstarke und interessierte Absolventen von Realschulen mit Gymnasialempfehlung sowie Schüler der Jahrgangsstufe 10 von Gymnasien mit besonderem Interesse am jeweils auszubildenden Berufsfeld.

Voraussetzungen

Um eine Berufsausbildung mit Abitur beginnen zu können, ist entweder der Nachweis eines Realschulabschlusses oder ein als gleichwertig anerkannter Bildungsstand (z. B. Versetzung in die 11. Klasse des Gymnasiums) mit einem bestimmten Notendurchschnitt zu erbringen.

Bei dualer Berufsausbildung mit Abitur ist zudem ein Ausbildungsplatz in einem Unternehmen (Berufsausbildungsvertrag) in einem der möglichen Ausbildungsberufe notwendig.

Zudem ist das zulässige Höchstalter zu beachten, das bei den Assistentenausbildungen plus Abi bei Ausbildungsbeginn maximal 19 Jahre und bei dualen Berufsausbildungen plus Abi maximal 21 Jahre beträgt.

Ausbildungsverlauf

Die duale Berufsausbildung und Abitur gliedert sich in Vorstufe, Qualifikationsphase und Praxisphase:sozialpaedagogik-32 / Beruf und Abitur

  • Vorstufe (11. Klasse): 5 Tage pro Woche Unterricht, Abschluss Vorvertrag und Berufsausbildungsvertrag
  • Qualifikationsphase (12. und 13. Klasse): 1. und 2. Ausbildungsjahr, je 3 Unterrichtstage und 2 Praxistage pro Woche
  • Praxisphase (14. Klasse): 3. Ausbildungsjahr, wöchentlich 1 Tag Unterricht und 4 Praxistage

Für die schulische Ausbildung während der 11. Klasse wird in der Regel ein Schulvertrag, der ggf. auch Modalitäten für Praktika in diesem Zeitraum regelt, sowie für die Berufsausbildung zwischen dem Auszubildenden und dem Unternehmen ein Ausbildungsvertrag geschlossen.

Die Auszubildenden erhalten bei einer dualen Berufsausbildung mit Abitur eine Ausbildungsvergütung.

Beim Doppelabschluss Assistenten-Beruf plus Abitur absolvieren die Schüler am Ende der 13. Klasse die Abiturprüfung und schließen ein dreimonatiges Berufspraktikum mit 30 Wochenstunden an, für das sie ggf. eine Praktikumsvergütung erhalten. Parallel dazu bereiten sie meist abends in einem Umfang von 8 Wochenstunden am Beruflichen Gymnasium ihre Berufsabschlussprüfung vor.

Fächer

Ebenso wie beim „normalen“ Abitur absolvieren die Schüler grundlegende Fächer wie Deutsch, Englisch und eine zweite Fremdsprache, Geschichte, Gemeinschaftskunde, Sport, Religion oder Ethik sowie berufsbezogene Fächer wie Betriebswirtschaftslehre, Erziehungswissenschaften, Recht, Mathematik, Physik oder Chemie.

Im Differenzierungsbereich können auch Fächer wie Kunst, Literatur oder Musik unterrichtet werden.

Unterrichts- und Ferienzeiten

Der theoretische Teil der dualen Ausbildung kombiniert Unterrichtsinhalte an Beruflichen Gymnasien und Berufsschulen mit einem Umfang von 38 Wochenstunden. Die praktische Ausbildung in den Ausbildungsbetrieben findet geblockt jeweils drei bis sechs Wochen statt, für den auch Zeiträume der Schulferien genutzt werden. Der gesetzliche Urlaubsanspruch während der dreijährigen Berufsausbildung wird in der unterrichtsfreien Zeit gewährt.

Doppelqualifizierende Bildungsgänge Abitur plus Assistenten-Berufsabschluss ordnen sich meist in die Schul- und Ferienregelungen der Bundesländer ein.

Prüfungen bei Bildungsgängen Abitur plus Beruf

Bei den dualen Berufsausbildungsgängen mit Abitur legen die Schüler bzw. Auszubildenden in der 13. Klasse die schriftlichen und mündlichen  Abschlussprüfungen sowie in der 14. Klasse die schriftlichen und mündlichen IHK-Prüfungen ab.

Bei einem Nichtbestehen der Prüfungen kann die Abiturprüfung nach einem Jahr in einem Versuch wiederholt werden. Eine Wiederholung der Berufsabschlussprüfung ist nach einem halben Jahr mit zwei Versuchen möglich.

Bei den Assistenten-Berufen nach Landesrecht mit Abitur absolvieren die Schüler am Ende der 13. Klasse die Abiturprüfung und nach dem dreimonatigen Praktikumsblock die Berufsabschlussprüfung, bei der bereits erbrachte Abitur-Prüfungsleistungen angerechnet werden können.

Abschluss doppelqualifizierender Bildungsgänge

Bei doppelqualifizierende Bildungsgängen erlangen die Teilnehmer zwei vollwertige Abschlüsse: Die duale Berufsausbildung mit Abitur schließt mit einer IHK Facharbeiterprüfung und der Abiturprüfung sowie die doppelqualifizierenden Bildungsgänge mit einer Assistenten-Berufsabschlussprüfung nach Landesrecht und Abiturprüfung ab.

Dauer von Doppelqualifizierungen

Die Berufsausbildung mit Abitur beginnt mit der 11. Klasse. Die Ausbildungszeit für die Doppelqualifizierung Assistenten-Beruf und Abitur beträgt in der Regel zwischen 3 und 3 ¼ Jahren, die duale Berufsausbildung plus Abitur 4 Jahre.

Kosten

Für den Besuch von Berufsschulen und Beruflichen Gymnasien wird kein Schulgeld erhoben. Neben der Lernmittelfreiheit können Kostenbeteiligungen für Lehr- und Lernmitteln, Arbeitsmaterialien (z. B. Taschenrechner, Kopierkosten) oder für Exkursionen und Projektfahrten entstehen.

Bei privaten Bildungsträgern können allerdings Schulgebühren fällig werden.

Zuschüsse

Bei Absolvierung eines doppelqualifizierenden Bildungsgangs an staatlichen bzw. staatlich anerkannten Einrichtungen ist eine Förderung über das Bundesausbildungsförderungsgesetz (Schüler-BAföG) möglich.

Schulen und Ausbildungsbetriebe für Berufsausbildung mit Abitur finden

Sie können z. B. an Beruflichen Gymnasium und Berufskollegs während der Sekundarstufe II doppelqualifizierende Bildungsgänge – Abitur plus Berufsausbildung in den Assistenten-Berufen – absolvieren.

Folgende berufsbezogene Bildungsgänge führen entsprechend des jeweiligen Landesrechts zur Allgemeinen Hochschulreife und Beruf:

  • Staatlich geprüfter physikalisch-technischer Assistent
  • Staatlich geprüfter chemisch-technischer Assistent
  • Staatlich geprüfter biologisch-technischer Assistent
  • Staatlich geprüfter mathematisch-technischer Assistent
  • Staatlich geprüfter elektrotechnischer Assistent
  • Staatlich geprüfter konstruktions- und fertigungstechnischer Assistent
  • Staatlich geprüfter Assistent für Maschinenbautechnik
  • Staatlich geprüfter kaufmännischer Assistent

An einer begrenzten Anzahl von Beruflichen Gymnasien sind nach Landesrecht folgende Berufsausbildungen parallel zum Abitur möglich:

Baden Württemberg:

  • Pharmazeutisch-technischer Assistent
  • Staatlich geprüfter umweltschutztechnischer Assistent

Hamburg:

  • Technischer Assistent für Informatiksozialpaedagogik-94 / Beruf und Abitur

Hessen:

  • Assistent für Elektronik
  • Assistent für Wirtschaftsinformatik

Mecklenburg-Vorpommern:

  • Technischer Assistent für Informatik
  • Ingenieurassistent für Maschinentechnik

Nordrhein-Westfalen:

  • Assistent für Gestaltungstechnik
  • Hauswirtschaftlich / technischer Assistent
  • Umwelttechnischer Assistent
  • Ingenieurassistent für Bautechnik
  • Ingenieurassistent für Gestaltungstechnik
  • Ingenieurassistent für Textiltechnik
  • Ingenieurassistent für Haushaltstechnik
  • Staatlich anerkannter Erzieher
  • Technischer Assistent für Betriebsinformatik
  • Informationstechnischer Assistent

Schleswig-Holstein:

  • Pflegeassistent
  • Pharmazeutisch-technischer Assistent
  • Sozialpädagogischer Assistent

Thüringen:

  • Gestaltungstechnischer Assistent
  • Technischer Assistent

Duale Berufsausbildungen mit Abitur finden Sie vorwiegend in Sachsen und im Rahmen von Schulversuchen oder Modellprojekten vereinzelt auch in anderen Bundesländern.

Perspektiven

Absolventen einer (dualen) Berufsausbildung mit Abitur stehen viele Türen offen. Sie können entweder ohne Einschränkungen ein weiterführendes Studium in jedem Studiengang anschließen oder in ihrem erlernten Beruf (z. B. Industriemechaniker, Werkzeugmechaniker. Zerspanungsmechaniker, Fachinformatiker, IT-Systemelektroniker) in den Arbeitsmarkt einsteigen.

An Hochschulen und  Universitäten gelten für berufliche Abiturienten die gleichen Bewerbungsmodalitäten und Zulassungsbedingungen wie für alle anderen Bewerber.

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Auch die Fachhochschulreife kann parallel zu einer Berufsausbildung absolviert werden. Beispiel sind etwa die zweijährigen Teilzeit-Bildungsgänge an Berufsoberschulen I (z. B. Rheinland-Pfalz).


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